Geht es um die Arbeitswelt, um Politik, Sport oder die Verwendung von Pronomen, sind es sehr oft jüngere Frauen und Männer, die sich beim Thema Gender Equality bewusst offen und hin und wieder sogar recht kämpferisch geben. Wenn alte, starre Rollenbilder aufgeweicht und neue Vorbilder und Role Models geschaffen werden sollen, scheint das aber eine Sphäre noch nicht ganz durchdrungen zu haben: den Haushalt. Wie zwei aktuelle Studien zeigen, ist in den eigenen vier Wänden alles häufig noch so wie es immer schon war. Ob es sich dabei um einen »Boomer-Haushalt« oder um den gemeinsamen Haushalt zweier Menschen der Generation Y handelt, scheint dabei eine geringere Rolle zu spielen als bislang angenommen.

Eine der beiden Studien wurde vom Gallup-Institut durchgeführt und zeigt, dass bei gegengeschlechtlichen Paaren, jüngere Paare nach denselben Prinzipien agieren, wenn es darum geht, die Pflichten im Haushalt aufzuteilen. Das Ergebnis wird von einer im wissenschaftlichen Journal »Sociological Science« publizierten Studie noch verstärkt: Hier wurden High School-Schüler*innen gefragt, wie sie sich ihre ideale Familiensituation mit Kindern vorstellen. Fast ein Viertel der befragen Schüler*innen kam zum dem Entschluss, dass es am besten wäre, wenn der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau zu Hause bleibt.

Dass sich die Ansichten der jungen Menschen kaum von jenen unterscheiden, die vor rund 50 Jahren unsere Gesellschaft prägten, überraschte die Forscher*innen vor allem deshalb, weil sie die Offenheit, die den Generationen X und Z in Bezug auf Gender Equality und Gender Roles ja generell zugeschrieben wird, in ein anderes, weniger glanzvolles Licht rückt. Die Zahlen, die Gallup zum Thema Arbeitsaufteilung im Haushalt erhoben hat (siehe Grafik unten), untermauern diese Annahme. Welche Auswirkungen diese anhaltende, ungleiche Verteilung der unbezahlten Arbeit im Haushalt (sogenannte Care-Arbeit etc) auf die Karrieren und Pensionen von Frauen hat, wurde zum Beispiel hier bereits festgehalten.

»If young people can’t even envision a model of what men’s time at home might look like, that’s evidence that our beliefs about gender are really strong and sticky«, hält Joanna Pepin, eine der Studienautorinnen fest. Die Autor*innen der Studie gehen davon aus, dass die Ergebnisse unter anderem auf die fest verankerte Norm des Mannes als Ernährer zurückzuführen ist. »To be a good man means to be employed«, so die Soziologin Sarah Thébaud gegenüber der New York Times. »That doesn’t mean they don’t want to be involved — they do. But the issue is we’re pushing up against these prescriptive beliefs about gender.«