Wer über soziale Ungleichheit sprechen möchte, kommt um erschreckende Zahlen nicht herum. Und das ist auch gut so, denn sich daran vorbeizuwinden, wäre auch nicht der richtige Weg. Der angenehmere vielleicht, aber mit Sicherheit nicht jener, der im besten Fall auch zu Veränderung führt. Deshalb soll es in diesem Artikel vor allem um Zahlen gehen. Dabei beziehen wir uns auf den eben veröffentlichen Bericht von Oxfam, der sich genau diesem Thema annimmt. Und zwar mit all den erschreckenden Zahlen, die dafür wesentlich sind. 

Kurz vorweg: Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt gemeinsam nicht einmal ein Prozent des globalen Vermögens. An der Spitze der Vermögensverteilung stehen 2.153 Personen, die jeweils über mehr als eine Milliarde US-Dollar Privatvermögen verfügen. Gemeinsam gehört ihnen mehr Vermögen als den unteren 60 Prozent der Weltbevölkerung. Der Studie zufolge ist dieses extreme Missverhältnis auch das Ergebnis eines Wirtschaftssystems, in dem Frauen und Mädchen täglich 12,5 Milliarden Stunden unbezahlte Pflege-, Fürsorge- und Hausarbeit leisten, ohne dass der Wert dieser Arbeit gesellschaftlich und ökonomisch anerkannt wird. Das weltweit gültige Narrativ, das diesen Zahlen zugrunde liegt, lautet, dass vor allem Frauen und Mädchen diese Arbeiten übernehmen müssen. Es ist fest in unseren Gesellschaften verankert. Außerdem werden dadurch traditionelle Rollenbilder und alle Zuschreibungen, die damit einhergehen, verfestigt. Damit sich das ändert, ist es zunächst wichtig, die Zahlen zu kennen.

In der Studie von Oxfam kann beispielsweise Folgendes nachgelesen werden: Männer arbeiten im weltweiten Durchschnitt 6 Stunden und 44 Minuten pro Tag und werden für 5 Stunden und 21 Minuten bezahlt – also für mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Frauen arbeiten hingegen durchschnittlich 7 Stunden und 28 Minuten am Tag, erhalten aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten Lohn – also für rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit. Für die restliche Zeit erhalten sie keinen Lohn, also für fast 60 Prozent der von ihnen geleisteten Arbeitsstunden. »Der direkte Zusammenhang zwischen Vermögensungleichheit und Care ist, dass Frauen viel weniger Vermögen aufbauen können über ihr Leben, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit in unbezahlter Pflege und Fürsorge leisten«, erklärt Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, in einem Onlineartikel der ZEIT.  Der Appell des internationalen Zusammenschlusses verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen geht deshalb ganz klar an die Regierungen: »Regierungen auf der ganzen Welt müssen jetzt handeln, um eine am Menschen orientierte Wirtschaft aufzubauen, die das wertschätzt, was für die Gesellschaft wirkich wichtig ist, anstatt das Streben nach Profit und Wachstum immer weiter anzuheizen.« Im Regierungsprogramm der türkis-grünen Regierung ist zumindest nachzulesen, dass man sich auf die Durchführung einer Zeitverwendungsstudie beziehen möchte, wenn es darum geht, bezahlte und unbezahlte Arbeit im Detail auszuwerten. Wir werden das weiter beobachten.