»Wir sind so ein bisschen das Sprungbrett in die IT-Szene, wo man sich das Programmieren einmal unverbindlich anschauen kann«, erzählt Eva Lettner lachend, »uns rennen die Frauen die Bude ein.« Gemeinsam mit der IT-Unternehmerin Barbara Ondrisek hat sie Ende 2018 gemeinsam die gemeinnützige Initiative „Women and Code” gegründet und ist von der positiven Resonanz begeistert. Sie unterrichtet auch im Rahmen regelmäßig stattfindender Workshops reine Frauengruppen in verschiedenen Programmiersprachen.

Um mehr Frauen für die IT-zu begeistern und so auch das persönliche Problem zu lösen, oft alleine in den IT-Abteilungen zu sitzen, sind die angebotenen Kurse beziehungsweise Treffen »for women only«, und das bringt Vorteile mit sich: »In reinen Frauengruppen trauen sich die Teilnehmerinnen einfach mehr, sind viel offener und zeigen stolzer her, was sie entwickelt haben«, erzählt Lettner. Anhand greifbarer Beispiele bringt sie ihren Kursteilnehmerinnen die Welt des Front- und Backend Developments näher. »Viele, die zu uns kommen haben mit dem Programmieren kaum Berührungspunkte gehabt. Da kann ich sie nicht mit technischen Floskeln abholen. Darum erzähle ich gerne lebensnahe Geschichten«, erzählt sie.

»Programmieren ist kreative Problemlösung und eigentlich nichts anderes als Basteln. Es ist ein digitales Handwerk«.

Beide Gründerinnen arbeiten neben »Women and Code« als professionelle Programmiererinnen und wollen mit dem staubtrockenen Image der IT aufräumen. »Ich würde den Job so beschreiben: Du kriegst eine knifflige Problemstellung und darfst dann etwas Neues bauen. Es ist so, als ob man dafür bezahlt wird den ganzen Tag Puzzles zu lösen«, beschreibt Ondrisek – und ihre Co-Gründerin ergänzt: »Programmieren ist kreative Problemlösung und eigentlich nichts anderes als Basteln. Es ist ein digitales Handwerk«. Nach einer wohlverdienten Sommerpause starten demnächst auch schon die nächsten Workshops. Damit aufhören wollen Lettner und Ondrisek erst, wenn in der IT-Branche Chancengleichheit und Gleichberechtigung herrscht. »Wir arbeiten daran, dass wir überflüssig werden…«

 

IT ist mehr als Programmieren

Dass die IT-Branche so viel mehr bietet als Jobs für ProgrammiererInnen beweisen Astrid Prem und Doris Schlaffer bei regelmäßig stattfindenden Community-Treffen ihres Netzwerks „#TheNewItGirls“. »Viele verbinden IT automatisch mit dem Programmieren. Dabei kann man in der technischen Branche genauso im Marketing oder Verkauf arbeiten. Wenn sich dieser Knopf löst, werden sich bestimmt mehr Frauen interessieren«, so Prem, die seit fünf Jahren für einen internationalen Hard- und Softwareentwickler im Consulting tätig ist. Bei den laufend per »meetup.com« organisierten Netzwerktreffen mit Impulsvorträgen von und mit Frauen in der IT, die selbst nicht hochtechnologisch arbeiten, geht es vor allem um den Austausch und das voneinander Lernen. »Wir legen dabei den Fokus nicht auf einen bestimmten Berufstitel, sondern stellen den Menschen in den Vordergrund«, betont Schlaffer. Daher gelten die Veranstaltungen der #TheNewItGirls auch als »Safe Space«, wo man offen über Probleme sprechen kann. »Wenn man als einzige Frau in ein Meeting mit zehn Männern stolpert, kann das ungewohnt sein. Das muss man wollen und wissen wie man damit umgeht. Ein offener Austausch kann dabei helfen, selbstbewusster damit  fertig zu werden«, sagt Prem und betont. »Als Frau fällt man in der IT eben auf, doch das kann beruflich auch Vorteile mit sich bringen.«

Unter diesem Link finden Sie die Interviews mit Barbara Ondrisek und Eva Lettner von »Women and Code« in voller Länge, sowie mit Astrid Prem und Doris Schlaffer von »#TheNewItGirls« unter diesem Link 


INFOBOX – Aus- und Weiterbildung, Initiativen, Online-Angebote, Labore und Frühförderung

_01. NETZWERKE & INITIATIVEN

# FemTech, www.femtech.at
Mit FEMtech unterstützt das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) Frauen in Forschung und Technologie und schafft Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung.

# FIT-Frauen in die Technik, Wien, NÖ, Bgld: www.fitwien.at, OÖ: www.fit.jku.at, Steiermark: www.fit.tugraz.at, Salzburg: www.fit-salzburg.ac.at
Im Rahmen des Projekts FIT werden bundesweit Informationsveranstaltungen organisiert, um das Interesse von Frauen an technischen Berufen zu steigern.

# #TheNewItGirls, www.meetup.com/The-New-IT-Girls/
Initiative zur Vernetzung und Förderung von Frauen im Bereich der Digitalisierung und Technik mit regelmäßigen Netzwerktreffen sowie Impulsvorträge von und mit Expertinnen.

# w-fFORTE, www.ffg.at/w-fforte, www.fforte.at
Das Programm des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) richtet sich an Frauen ab Master-Level, die im Themenfeld »Forschung und Technologie« arbeiten bzw. in der Forschung tätig werden wollen.

# Women and Code, https://womenandcode.org/, www.meetup.com/WomenAndCode/
Bei regelmäßigen Meetups in Wien und Linz können Programmier-Anfängerinnen verschiedene Programmiersprachen unverbindlich kennenlernen.

# Women Techmakers, www.womentechmakers.at
Konferenzen, Workshops und Diskussionen rund um Frauen und Technik

_02. AUS- & WEITERBILDUNGSANGEBOTE

# AMS/Frauen in Handwerk und Technik,www.ams.at/fit
Die AMS-Initiative »Frauen in Handwerk und Technik (FiT)« richtet sich an Frauen, die einen technischhandwerklichen Beruf erlernen möchten und beim AMS gemeldet sind.

# Code Factory,https://codefactory.wien/
Mit einer weiblichen Co-Gründerin fördert die moderne Programmierschule Frauen explizit und kooperiert dabei mit dem WAFF und speziellen Programmen wie FIT.

# ngGirls Vienna, http://ng-girls.org/#home
Die Initiative ngGirls richtet sich mit einem kostenlosen Programmier-Workshop an junge Frauen. Programmiererinnen mit Grundkenntnissen lernen dabei an einem Tag, mit den Tools der Open-Source-Plattform Angular, ihre erste eigene Web Application zu entwickeln.

# Talent Garden, www.vienna.talentgarden.org
Die Talent Garden Innovation School bietet verschiedene Kursprogramme in den Bereichen digitale Technologien und Innovation. Frauen können die Angebote vergünstigt buchen.

# Technische Universität Wien/Women in Technology, www.frauen.tuwien.ac.at
Dienstleistungseinrichtung mit zwei grundlegenden Aufgabenbereichen. Es sind dies einerseits die Frauenförderung sowie andererseits die Einführung, Stärkung und Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterstudien und der Frauen- und Geschlechterforschung an der TU Wien.

_03. TECHNOLOGIELABORE

# Mz Baltazar’s Lab, www.mzbaltazarslaboratory.org
Der kreative, feministische Hackerspace in Wien ist speziell für Personen ausgerichtet, die sich als Frauen oder trans definieren, und bringt sie mit Kunst, Technik und Wissenschaft zusammen.

# Otelo, https://otelo.or.at/
Die »Offenen Technologie Labore« sind Entwicklungs- und Experimentierräume für experimentelles und gemeinsames Schaffen und stehen allen InteressentInnen offen. 31 Standorte gibt es in ganz Österreich.

_04. ONLINE 

# 1 Million Women To Tech, https://1millionwomentotech.com/
Das Non-Profit Startup bietet verschiedene Online-Ausbildungsprogramme, um Frauen weltweit das Programmieren beizubringen.

# Meine Technik, www.meinetechnik.at
»Meine Technik« ist eine Informationsplattform bzw. ein Online-Medium für Technikerinnen der Zukunft, herausgegeben vom Bundeskanzleramt.

# WoV STEM, www.facebook.com/groups/WoVSTEM/
Die geschlossene, auf Englisch geführte Facebook-Gruppe richtet sich an Frauen in Österreich, die im MINT- Bereich arbeiten und sich austauschen wollen.

_05. INTERNATIONAL

# WITI-Women In Technology International, www.witi.com
Das unabhängige, internationale Frauennetzwerk wurde 1989 gegründet, fördert seither Frauen im Technologiebereich und bietet ihnen Unterstützung, Chancen und Inspiration.

_06. FRÜHFÖRDERUNG 

# Coding Girls Vienna, https://vienna.coding-girls.com/community/vienna
Die internationale Initiative ist auch in Wien als Netzwerk für Mädchen aktiv und bietet Programmierkurse, Meetups und Hackathons.

# Jugendhackt, https://jugendhackt.org/
Im Rahmen des Programms zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum tüfteln die jungen TeilnehmerInnen gemeinsam mit ehrenamtlichen MentorInnen an Prototypen und digitalen Werkzeugen. Von 25. bis 27. Oktober macht Jugendhackt wieder in Linz Station.

# Mit-Mut, www.mitmut.at
MIT-MUT möchte 13/14-jährige Schülerinnen vor der Berufswahlentscheidung spielerisch dazu ermuntern, sich mit den beruflichen Optionen in den Bereichen IT und Unternehmerinnentum  auseinanderzusetzen.

# Powergirls,www.edugroup.at/praxis/portale/powergirls
Zielsetzung dieses Projektes der oberösterreichischen Education Group ist es, die emotionale Komponente der Entscheidung für einen technischen Beruf bei Mädchen zwischen 10 und 11 Jahren, zu verstärken.

# Reverse Mentoring, www.moves.cc/reverse-mentoring-ist-neu-gestartet/
Re-Ment setzt sich zum Ziel, Schülerinnen mittels Reverse-Mentoring für Berufe in den IT zu interessieren und Rollenbilder bzw. stereotype Vorstellungen über berufliche Lebensentwürfe zu dekonstruieren.

# ZIMD, www.zimd.at
Das Zentrum für Interaktion, Medien & soziale Diversität bietet mit “Robina & Roberta” spezielle Robotik-Workshops an, bei denen speziell Mädchen mittels Lego-Robotern spielerisch das Programmieren lernen.

Header © Karin Lachmann