Die Agentur bestätigt erneut grobe Schieflagen in der Präsenz von Frauen in entscheidungsrelevanten Positionen der Gesellschaft. Obwohl sich Fortschritte und positive Veränderungen abzeichnen – sei es der historisch höchste Frauenanteil in der Politik oder die Umsetzung einer gesetzlichen Geschlechterquote für Aufsichtsratsposten – schlägt sich das in der vorliegenden Studie zur medialen Sichtbarkeit nur marginal nieder.

 

Höheres Berichtsvolumen, niedriger parteipolitischer Stellenwert

Frauen werden für Parteien eine immer wichtigere Zielgruppe. Was die Studie allerdings herausstellen konnte, war das verstärkte Aufgreifen frauenpolitischer Themen - wenn jedoch in einer sich negativ auswirkenden Einseitigkeit. So wird über das umstrittene und polarisierende Thema des Kopftuchverbots oder die Verschärfung des Sexualstrafrechts berichtet, während ebenso relevante Themen wie Vereinbarkeit Familie und Beruf oder Frau am Arbeitsmarkt keine bis kaum Aufmerksamkeit bekommen. Von einem inhaltlich breit geführten frauenpolitischen Diskurs sind wir also noch weit entfernt. 

Um Frauenpolitik wirkungsvoll zu gestalten, sodass sie in viele Gesellschaftsbereiche einfließen und möglichst vielen Frauen (und der Gesellschaft) einen Mehrwert bringen kann, müsste sie Gegenstand in allen politischen Ressorts sein oder jedenfalls einen Fixpunkt auf der politischen Agenda darstellen. In der Praxis sieht es meist so aus, dass im öffentlichen Diskurs frauenpolitische Agenden und damit die gesamte Verantwortung für Entwicklungen in diesem Bereich exklusiv beim Frauenministerium oder einer einzelnen Ministerin gesehen werden. In dieser Konstellation fehlen meist Wirkungsmacht, finanzielle Ausstattung und Status für große Würfe.

Zudem reagiert die Politik oft erst dann, wenn massiver Druck von außen herrscht. Im Jahr 2018 wurde im Schnitt alle eineinhalb Wochen eine Frau getötet. Erst als die Kriminalstatistik für das Jahr 2018 veröffentlicht wurde, und ein trauriger Rekord bei den Femiziden festgestellt werden konnte, reagierte man auf politischer Seite. Die Relevanz von Frauenpolitik in der Parteikommunikation bleibt im Vergleich zu anderen Themen überschaubar, so schafft es beispielsweise keine Partei, dass frauenpolitische Themen mehr als 2,5 Prozent der jeweiligen Medienpräsenz ausmachen würden. Das zeigt, welch marginalisierten Bereich die Frauenpolitik quer durch alle Parteien derzeit darstellt. 

 

Digitalisierung als Chance zur Sichtbarkeit

Warum ist mediale Sichtbarkeit allerdings von so großer Bedeutung? Medien wirken nachhaltig auf Bewusstseinsbildung, politische Stimmungslage, Bekanntheitsgrad, Sichtbarkeit und Wahrnehmung von diversen Playern und Themen in der breiten Öffentlichkeit. Eine intakte Medienlandschaft ist zentraler Bestandteil einer funktionierenden Demokratie. Wie und worüber Medien schreiben, welche Inhalte verbreitet werden und welche Menschenbilder darin gezeichnet werden, ist daher für die Gesellschaft und deren Entwicklung von grundlegender Bedeutung. Zentrales Ziel der Medienstudie ist es, die Berichterstattung über Frauen und Frauenpolitik in den reichweitenstärksten Medien Österreichs erneut zu analysieren, auszuwerten und Entwicklungen im Vergleich zu den Vorjahren in Zahlen zu fassen. Unterstützung für die nunmehr veröffentlichte Studie kam von RHI Magnesita, Arbeiterkammer (AK) und Industriellenvereinigung (IV), die mit dem Projekt vor allem zur Bewusstseinsbildung beitragen wollen, um die Zahl der Frauen in Führungsfunktionen zu erhöhen und ihre Chancen weiter zu verbessern. 

Die Studienautorin Maria Pernegger sieht im digitalen Wandel die Möglichkeit wie ein Katalysator zu wirken, der Chancengleichheit beschleunigt, weil das Geschlecht darin zur Nebensächlichkeit wird und primär die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit zählen. Doch dieses »window of opportunity« müsste genützt werden! Derzeit erscheint es ihr, als ließe man wertvolle Zeit verstreichen. Gelinge es aber gleichberechtigten Gestalter*innen eine digitale Revolution anzustoßen, dann biete sich hier eine Jahrhundertchance – für die Wirtschaft und nicht zuletzt für die Chancengleichheit.

 

 

 

Foto Credit: RHI Magnesita_Daniel Nowotny

Foto (rechts nach links): Maria Pernegger (Geschäftsführerin MediaAffairs, Studienautorin), Romy-Sophie Katz (Product Owner Digital Initiatives RHI Magnesita), Simone Oremovic (Executive Vice President People, Projects and Communications RHI Magnesita), Renate Anderl (Präsidentin der Arbeiterkammer), Axel Kühner (CEO Greiner AG, Vorsitzender des Ausschusses für Gesellschafts - und Bildungpolitik der IV).