Du hast ja quasi von der Agenturseite zum Kunden gewechselt. Für Dich ein logischer Karriereschritt?

Das Jobangebot ist passiert, aber der Karriereschritt ging schon in die Richtung, in die ich auch gehen wollte. Ich war davor immer auf Dienstleisterseite tätig und die Seite – und damit auch die Perspektive – zu wechseln, hatte für mich schon einen großen Reiz. Allerdings auf keinen Fall deshalb, weil ich in der Agentur keinen Spaß mehr hatte. Es hat sich für mich einfach eine Chance aufgetan und die habe ich ergriffen.

Was sind für Dich die größten Herausforderungen, die Marketingabteilungen in Zukunft zu meistern haben?

Was ich stark merke, ist, dass es das klassische Marketing nicht mehr gibt. Die vier Ps (Anm.: Product, Price, Place, Promotion), die ja sehr lange Zeit im Marketing als unumstößlich galten, spielen nicht mehr jene Rolle, die sie früher einmal gespielt haben. Ich glaube, dass es immer wichtiger wird übergreifend und verzahnt zu arbeiten, zum Beispiel gemeinsam mit dem Verkauf. Es ist wichtig, was die Händler und Händlerinnen sagen und ihre Aussagen müssen von uns, also im Marketingteam, auch berücksichtigt werden. Marketing ist also viel umfangreicher geworden. Auch Flexibilität ist eine große Rolle. Mit der Digitalisierung wurde es außerdem wichtig, Zielgruppen anders zu sehen und zu definieren, zum Beispiel nach Personas Maßnahmen zu kreieren.

Wo möchtest Du in deiner Arbeit in Zukunft Schwerpunkte setzen? Was ist Dir besonders wichtig?

Wir haben im Sommer sehr viele Workshops gemacht, Personas definiert und uns überlegt, welchen Content wir wann und wie streuen möchten. Eine Facebookseite haben wir seit August und zu diesem Zeitpunkt auch mit einer Performance Marketing-Strategie begonnen. Die klassische Mediaplanung, wie man sie früher sehr gut kannte, gibt es eigentlich nicht mehr. Wir starten gerade viele Dinge und schauen welche Maßnahmen für uns die richtigen sind.

Du bist nicht nur in einem sehr traditionsreichen Unternehmen, sondern auch in einer eher männerdominierten Branche tätig. Wie gehst du mit dieser Herausforderung um? Oder ist es gar nicht so eine große Herausforderung?

Für mich deshalb keine Herausforderung, weil ich schon in der Agentur viel mit IT- und Industriekunden zu tun hatte. Das sind traditionell auch sehr männerdominierte Branchen. Ich habe dennoch immer wieder den Eindruck, dass man als Frau häufig 110 Prozent geben muss. Aber das finde ich nicht so dramatisch, weil 110 Prozent Output mehr als gut sind. Für mich war es jedenfalls immer ein Ansporn. Glücklicherweise ist es mir während meiner Karriere noch nicht so oft passiert, dass ich deshalb nicht ernst genommen wurde, weil ich eine Frau bin.

Wie geht es Dir mit deiner Führungsrolle? Was ist Dir in deinem Team besonders wichtig?

Mir ist vor allem das gemeinsame Arbeiten sehr wichtig. In die Rolle bin ich hineingewachsen. Natürlich gab es auch den ein oder anderen Fehltritt, aber ich habe gelernt Kritik gut anzunehmen. Mir ist es sehr wichtig, dass mein Team hinter mir steht. Auf der anderen Seite, möchte ich aber auch, dass mein Team weiß, dass ich hinter ihnen stehe. In diesem Zusammenhang geht es für mich ganz stark um Verlass und Vertrauen.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Erfolg bedeutet für mich, am Ende des Tages mit einem guten Bauchgefühl nach Hause zu gehen und etwas geschafft zu haben. Ich fühle mich gut, wenn ich sehe, dass es läuft und funktioniert oder eine Idee aufgeht. Natürlich gehören gute Zahlen auch zum Gesamtpaket dazu. Entscheidend ist aber eben auch dieses Bauchgefühl. Damit dieses Gefühl überhaupt entstehen kann, ist es auch sehr wichtig, wirklich hinter dem Produkt zu stehen. Ich freue mich deshalb schon sehr darauf, bald einen Kurs zum Thema Forstarbeit besuchen zu dürfen. Ganz einfach deshalb, weil ich wissen möchte, wie die Geräte funktionieren. Ich glaube, dass das nur dann möglich ist, wenn man wirklich draußen ist und die Arbeit spürt. Auch dieser Wunsch ist mir aber nicht wirklich neu. Schon während meiner Zeit in der Agentur, hatte es für mich Priorität, ein Gefühl für die Produkte zu bekommen. Die Leute merken das auch, wenn man nicht im Thema ist und das Produkt nicht gut kennt.