Zumindest aus wissenschaftlicher Perspektive ist das Interesse an Finanzbildung in den letzten knapp 20 Jahren signifikant gestiegen. Das kann an der stetig steigenden Zitationshäufigkeit des Begriffs »financial literacy« abgelesen werden. Über die Aussagekraft dieser Häufung für gesamte Gesellschaften lässt sich natürlich trefflich streiten. Oder eine fundierte Umfrage machen. Vor rund einem Jahrzehnt nahm sich deshalb das International Network on Financial Education (INFE) der OECD der Ausarbeitung einer umfassenden Mustererhebung zur Finanzbildung Erwachsener an. Die Mitgliedsländer der OEDC und andere im INFE vertretene Staaten sollten darauf aufbauend dezentral Erhebungen nach einheitlichen Muster durchführen. Die erste reguläre Erhebungswelle startete 2014/15 unter Beteiligung von 35 Ländern auf der ganzen Welt, darunter auch Österreich.

Die OECD/INFE-Erhebung folgt dem Ansatz der OECD, wonach Finanzbildung als ein Mix aus Finanzwissen, Finanzverhalten, finanziellem Bewusstsein, finanziellen Fähigkeiten sowie Einstellungen zu verstehen ist, über den man verfügen muss, um fundierte finanzielle Entscheidungen treffen und letztlich für das eigene finanzielle Wohlergehen sorgen zu können. Im Frühjahr 2019 lief die zweite Welle der OECD-Erhebung unter neuerlicher Beteiligung Österreichs an. Abgefragt wurde wieder das Finanzwissen, wobei die sieben von der OECD vorgegebenen Fragen durch drei österreichspezifische Zusatzfragen ergänzt wurden, sowie Finanzeinstellung und Finanzverhalten. Zusammen ergeben diese den »Finanzbildungsindex«.

Während im Jahr 2014 nur 19 Prozent aller Befragten alle sieben von der OECD vorgegebenen Fragen richtig beantworten konnten, waren es bei der nun vorliegenden Studie 28 Prozent. Die Mindestzielvorgabe der OECD – fünf richtige Antworten – erreichten diesmal rund drei Viertel, 2014 erst 65 Prozent. Durchschnittlich wurde nun eine halbe Frage mehr korrekt beantwortet als 2014. Vor allem Frauen hätten ihren Wissensstand deutlich verbessert, so die OeNB, ebenso habe es Verbesserungen in allen Bildungsniveaus und Altersgruppen gegeben. Männer schneiden zwar immer noch besser als Frauen ab, der Abstand habe sich gegenüber der letzten Studie aber reduziert.

Die Erhebung zeigt außerdem eine recht gleichmäßige Wissensverteilung, heißt es in der Studie. Die Gruppe der 15- bis 38-Jährigen unterscheide sich allerdings in einigen Punkten von anderen Altersgruppen. Insbesondere »junge Millennials« (15 bis 28 Jahre) erreichen in allen drei Kategorien (Wissen, Verhalten, Einstellungen) die niedrigsten Werte. Sie hätten noch nicht allzu viel Erfahrung mit Finanzprodukten und wirtschaftlichen Angelegenheiten sammeln können, kann in der Studie nachgelesen werden. Darüber hinaus zeige sich, dass Millennials risikofreudiger und weniger vorausschauend handeln als andere Altersgruppen. Zwar seien sie mit höherer Wahrscheinlichkeit NutzerInnen neuer Finanztechnologien, dies helfe ihnen aber nicht zwangsläufig dabei, ihre Finanzen im Griff zu haben. Auffällig sei schließlich das vergleichsweise geringe Vertrauen der Millennials in das Bankensystem.

Rund 15 Prozent der Befragten wussten auf weniger als vier Fragen die richtige Antwort. Das sei deshalb bedenklich, weil die abgefragten Konzepte für alltägliche Finanzgeschäfte relevant seien. Daraus lasse sich »duchaus ein gewisser Handlungsbedarf ableiten«. Problematisch sei auch ein fehlendes Bewusstsein bezüglich der Wissenslücken. Aus der Studie sei nämlich eine Neigung zur Überschätzung des eigenen Finanzwissens abzuleiten. Besonders bedenklich sei dabei der hohe Anteil jener Befragten, die weniger als drei richtige Antworten gaben, ihr Finanzwissen aber als »eher« oder »sehr« gut einschätzen. Richtig beantwortet worden seien vor allem einfache Fragen, wie jene zum Zusammenhang zwischen Risiko und Ertrag oder zur Inflation. Die meisten Schwierigkeiten hätten den Studienteilnehmern Fragen zu Risikostreuung oder Zinseszinsen bereitet.