Kurz vor Redaktionsschluss dieser aktuellen Ausgabe befindet sich Österreich, ja, ganz Europa, im Ausnahmezustand. Regierungen bitten ihre Bürger, ihr soziales Leben auf ein Minimum zu reduzieren. Die Börsenindizes rutschen ins Minus. Flüge werden eingestellt, Grenzen geschlossen, Großveranstaltungen im Minutentakt abgesagt, Tourismusregionen unter Quarantäne gestellt, Theater und Lokale geschlossen. Nur Lebensmittelhandel und Drogeriemärkte rasen allen davon, weil die Menschen verständlicherweise hamstern. Doch Erfolge stellt man sich anders vor.

Denn in diesen Tagen der Ängste wurde alles, was Wirtschaftsleben ausmacht, auf Eis gelegt: Kommunikation, Zuversicht, Austausch, Pläne, Internationalität, Dynamik. Wie soll die Tischlerei agieren, die einen Küchengroßauftrag abbrechen muss, weil Fliesen aus Italien nicht mehr geliefert werden? Wie gehen Messeveranstalter mit Einzahlungen ihrer Aussteller um, wenn sie gar nicht wissen, ob das Event überhaupt stattfi ndet? Aber vor allem: Wie können Gehälter, Kreditraten, Sozialversicherung und Steuer weiter bedient werden in einem Land, in dem 99,6 Prozent aller heimischen Betriebe KMUs – international gesehen Kleinbetriebe – sind?

Eines ist jetzt schon klar: Das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft wird in den nächsten Wochen hart auf die Probe gestellt. Die Produktion wird zurückgehen, Umsatz ausfallen, Jobs werden verloren gehen. Und die Regierung wird sich wohl einige »Überlebenskonzepte« einfallen lassen müssen, um die Betriebe in dieser »ver-rückten« Zeit zu stärken.

Neben Kurzarbeit und Kreditgarantie wird wohl auch die Ausweitung des Spielraums bei der Einzahlung von Sozialversicherungs- beziehungsweise Steuerbeiträgen unumgänglich bleiben. Doch einen unterstützenden Player haben wir bereits auf unserer Seite: die Digitalisierung. Telearbeit ist plötzlich Notwendigkeit. Und das Gute daran – Österreichs Betriebe sind diesbezüglich gar nicht schlecht ausgestattet. Einer aktuellen Studie des Beraters Deloitte und der Universitäten Wien und Graz zufolge verfügen 97 Prozent der heimischen Unternehmen über die Möglichkeit zum Home Office.

Es wird sich also zeigen, wie gut wir Digitalisierung können. Weniger im technischen Sinn als im geistig flexiblen. Bislang verlangten die meisten Arbeitgeber nach der physischen Anwesenheit ihrer Angestellten. Derzeit geht das nicht. Aber es wird sicher jeder versuchen, sein Bestes zu geben im hart erzwungenen Probelauf für die Arbeit von morgen. Gelingt dieser, kommen wir dem Versprechen um eine individueller gestaltbare Arbeitsform ein ordentliches Stück näher, bei der es am Ende viele Gewinner geben könnte. Seitens der Unternehmen und seitens der Mitarbeiter.

Vorerst aber wünschen wir: Bleiben Sie gesund, behalten Sie die Kraft und die Hoffnung. Für Ihren Betrieb. Für Ihre Leute. Für sich selbst.

Lassen Sie uns Teil Ihrer Inspiration und Kraftquelle sein!

Ihre,

Michaela Ernst (Chefredakteurin) und Carina Felzmann (Herausgeberin und Geschäftsführerin) 

michaela.ernst@sheconomy.at
carina.felzmann@sheconomy.at