Wer sich noch an das in der Volksschule sehr beliebte Spiel »Verkehrte Welt« erinnern kann, wird sich beim Twitter-Kanal »Das bisschen Arbeit« sofort auskennen. Dort erwarten einen nämlich Postings wie »Nachdem mein Mann jetzt ein paar Jahre Teilzeit arbeitet, macht er sich plötzlich Gedanken um seine Altersvorsorge. Ich überlege jetzt 50 Euro im Monat auf ein Tagesgeldkonto anzulegen für ihn. Das müsste doch reichen?«.

Ist man in besagtem Spiel allerdings nicht mehr ganz so geübt, dann wird es mit der Dechiffrierung des eben erwähnten Postings vermutlich etwas schwieriger. Genauso bei folgendem Twitter-Posting: »Heute vier Vorstellungsgespräche. Stefan (24) brachte alle Qualifizierungen mit. Aber soll ich das Team wirklich von einem Mann im zeugungsfähigen Alter leiten lassen? Mal ganz ehrlich: Da suche ich ja in einem Jahr direkt den Nachfolger.« Meinen die wirklich Stefan und nicht Stefanie? Die erste Verwunderung ist nicht weiter verwunderlich, denn Aussagen wie diese wird man in unserer Gesellschaft vermutlich nie hören.

Allerdings wurde mit dem besagten Twitter-Account eine Art Parallel-Universum geschaffen, das nur aus solchen Postings besteht. Dass es sich dabei aber keineswegs um eine Utopie handelt, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Schließlich haben diese fiktiven Aussagen genauso wenig mit Gleichberechtigung und Gleichstellung zu tun wie all die gängigen realen Behauptungen über die verschiedenen Rollen der Frau in unserer Gesellschaft. Trotzdem gelingt dadurch ein gewisser Verfremdungseffekt, der erneut Aufmerksamkeit für fehlende Gender Equality generiert. Der Account zählt mittlerweile mehr als 12.000 Follower. Wir haben ein paar der Postings hier versammelt.