»Personality, Personality, Personality.« Wer sich schon einmal getraut hat, sich den spektakulären Stumpfsinn rund um Heidi Klum und ihre »Mädls« zu geben, der weiß auch, dass rund die Hälfte der Sendezeit dafür verwendet wird, scheinbar persönlichkeitslosen jungen Frauen, eine Personality einzuhauchen. Die restliche Zeit wird dann darüber gesprochen, wie gut oder wie weniger gut das momentan gelingt. Daran, dass sich viele der jungen Frauen, unter der erbarmungslosen Herrschaft der selbsternannten »Modelmama«, einfach nicht trauen, sich so zu präsentieren wie sie es gerne würden, denkt niemand.

Personality, Personality, Personality 

Nun der zugegeben etwas weite Sprung in die Unternehmenswelt: Denn auch hier zählt die Persönlichkeit. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine vom Unternehmensberater Deloitte durchgeführte Umfrage. So bezeichneten fast zwei Drittel der befragten Männer und Frauen die Persönlichkeit als den entscheidenden Faktor bei der Suche nach Führungskräften. Als sehr wichtig werden Führungswille (71 Prozent), ein breiter Blickwinkel (69 Prozent) und Entschlossenheit (65 Prozent) angeführt. Risikobereitschaft (38 Prozent) wird hingegen als weniger wichtig erachtet.

Bei Deloitte zeigt man sich davon wenig überrascht: »Es überrascht nicht, dass die Persönlichkeit der Bewerber eine so große Rolle spielt. Für eine Spitzenposition müssen klare Führungsqualitäten mitgebracht werden. Allerdings wird das Augenmerk zu sehr auf traditionelle Führungseigenschaften gelegt«, kommentierte Gudrun Heidenreich-Pérez, Senior Managerin bei Deloitte Österreich die Ergebnisse. »In einer sich wandelnden Wirtschaft sind Mut zu Innovation und eine gewisse Risikobereitschaft entscheidend für den langfristigen Erfolg. Die heimischen Chefetagen setzen aber überwiegend auf Sicherheit und klassische Führung.«

Die Kontakte sind ausschlaggebend

Wenig überraschend dürfte außerdem auch sein, dass in Österreich gute Kontakte immer noch als das Fundament einer erfolgreichen Karriere angesehen werden. Neben der Persönlichkeit stellen laut 54 Prozent der Befragten auch gute Netzwerke eine sehr wichtige Voraussetzung bei der Besetzung dar. In der eigenen Organisation führen hingegen nur 28 Prozent Netzwerke als sehr wichtigen Besetzungsfaktor an.

Allerdings wird der Stellenwert der fachlichen Kompetenzen im eigenen Betrieb deutlich höher eingeschätzt. Zwar glaubt nur ein Viertel, dass fachliches Know-How in Österreich bei Besetzungsentscheidungen eine große Rolle spielt, dafür wird die fachliche Kompetent im eigenen Unternehmen von doppelt so vielen Befragten als entscheidend angesehen. »Die Führungskräfte stufen das eigene Unternehmen um einiges objektiver und kompetenzorientierter ein, als die restliche Unternehmenslandschaft. In der Beratungspraxis stellen wir aber fest: Die eigene Objektivität wird oft überschätzt«, fasst Gudrun Heidenreich-Pérez zusammen.