Mit 14 Prozent Frauenanteil in IT Fächern liegt Österreich sogar noch unter dem EU-Durchschnitt. Neben effektiver Frühförderung wird es immer wichtiger, Role Models zu zeigen und Frauen in der IT-Branche untereinander zu vernetzen. Die 2019 von Astrid Prem und Doris Schlaffer gegründeten #TheNewItGirls setzen genau dort an. Sie wollen die Vernetzung und Förderung von Frauen im Bereich der Digitalisierung und Technik vorantreiben. Dazu findet ein regelmäßiger Austausch mit Impulsvorträge von Mitgliedern statt. Wir haben uns mit den beiden Gründerinnen zum Interview getroffen.

SHEconomy: Was hat euch eingangs dazu bewegt, euch mit IT zu beschäftigen?

Astrid Prem (AP): Mein Papa hat sein ganzes Leben lang in der IT gearbeitet und dadurch hatte ich immer schon Berührungspunkte. Wir hatten auch schon sehr früh einen Computer zu Hause und es hat mich immer schon interessiert, selbst etwas in diese Richtung etwas zu machen. Zu dem international tätigen Hard- und Softwareentwickler, bei dem ich jetzt arbeite, bin ich über ein Praktikum gekommen, das ich für meinen Master gebraucht habe. Ich habe gleich eine interessante Stelle im Marketing gefunden und bin dann hängen geblieben.

Doris Schlaffer (DS): Bei mir war es auch eher zufällig. Ich habe immer schon im Medien- und Grafikbereich gearbeitet und bin durch Zufall in die IT-Branche gestolpert. Zuerst war ich für ein IT-Unternehmen in den Bereichen Projektplanung und User Experience Design tätig und bin dann in die Consulting-Rolle gerutscht.

SHE: Was fasziniert euch daran am meisten?

AP: Dass sich ständig etwas ändert, gefällt mir an der IT besonders. Dadurch hört man nie auf zu lernen. Ich bin jetzt seit fünf Jahren bei dem selben, großen IT-Unternehmen und alleine in dieser Zeit haben wir so viele neue Produkte herausgebracht. Die Technologien verändern sich ständig und dadurch ist kein Tag wie der andere.

DS: Da kann ich mich eigentlich nur anschließen. Ich arbeite für eine Partnerfirma und wir beraten rund um diese neuen Technologien. Dadurch muss man sich laufend in neue Themen einleben oder sich bestimmte Themen herausnehmen und darauf fokussieren. Wenn man sich anschaut was technisch heute schon möglich ist und in Zukunft noch möglich sein wird, dann kann man eigentlich nur staunen.

SHE: Wie kam es zu der Entscheidung, sich mit der Initiative »#ThenewITgirls« gezielt an Frauen zu wenden?

DS: Das war ein sehr lustiger Moment. Wir beide waren wieder einmal bei einer Veranstaltung im Haus fast die einzigen Frauen. Beim Mittagessen haben wir uns darüber unterhalten und Astrid hat mich gefragt, ob ich Organisationen oder Netzwerke kenne, wo sich Frauen in unserem Bereich austauschen können? Und da es noch nichts gegeben hat, habe ich den Vorschlag gemacht selbst etwas zu organisieren.

AP: Es gibt einige Frauennetzwerke, die sich generell an Frauen richten. Es gibt Organisationen oder Netzwerke, die sich auf den technischen Bereich fokussieren. Aber da wir beide in der IT sind, aber nicht tief-technisch arbeiten, haben wir etwas gesucht, das genau diesen Bereich abdeckt. Und da wir nichts gefunden haben, machen wir es einfach selbst.

SHE: Was ist »#ThenewITgirls« heute?

DS: Die Zielsetzung ist einfach und klar für uns. Wir wollen Frauen, die in der IT sind, miteinander vernetzen. Ganz wichtig dabei ist uns dabei, den Fokus nicht auf einen Berufstitel zu legen. Wir wollen kein Netzwerk sein, das beispielsweise nur Developer anspricht, oder nur in Richtung Consulting geht, oder für ein bestimmtes Unternehmen steht.

SHE: Wie setzt ihr das um?

AP: Wir wollen eine Community bilden, die sich gegenseitig stärkt und fördert. Bei jedem, regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen spricht ein IT-Girl aus unserer Community und trägt etwas vor, das ihr am Herzen liegt. Das kann ihr persönlicher Werdegang sein, oder etwa ein Vortrag darüber wie man in der IT-Branche Familie und Beruf vereint. Weiters setzen wir auf Best-Practice-Sharing und und organisieren zum Beispiel Talks darüber, welche Social-Media-Tools verwendet werden, sodass wir die Möglichkeit haben voneinander zu lernen und Erfahrungen auszutauschen.

DS: Wir starten die Community-Treffen mit einer Vortragsrunde mit Diskussion und lassen sie dann als klassisches Open Space Network-Event ausklingen, wo man spannende Persönlichkeiten kennenlernen kann.

AS: Wir überlegen aber, in der Zukunft schon in Richtung Workshops zu gehen, weil bei den Treffen und in Gesprächen immer wieder hören, dass es dafür Bedarf gibt. Und es gibt auch viele Themen, die man mit Workshops abdecken könnte.

SHE: Wo liegen für euch die Gründe dafür, dass Frauen in der IT unterrepräsentiert sind?

DS: Ich glaube, dass Frauen oder Mädchen gar nicht wirklich darüber nachdenken in die IT zu gehen, weil es in ihren Köpfen noch nicht präsent ist. Ich habe in meinem Leben zum Beispiel auch noch nie darüber nachgedacht Automechanikerin zu werden. Aber jeder Mann hat wohl schon einmal in seinem Leben daran gedacht. Daher denke ich nicht, dass die Ausbildung das Problem ist, sondern das Bewusstsein diese Berufsmöglichkeit zu haben. Da müsste man früh ansetzen und das Programmieren wie eine andere lebende Fremdsprache schon früh in den Schulen lehren. Damit es als möglicher Ausbildungsweg auch für Frauen ganz normal wird.

SHE: Fehlen hier die Vorbilder?

AP: Viele wissen gar nicht wirklich, was IT bedeutet und verbinden es automatisch mit dem Programmieren. Als ich erzählt habe, dass ich bei einem IT-Unternehmen angefangen habe, hat mich jeder gefragt welches Programm ich da jetzt schreibe. Und ich schreibe gar keines. (lacht) Das bedeutet einfach nur, dass ich in dem Umfeld arbeite, aber ich kann genauso im Marketing in einer technische Branche tätig sein, oder im Verkauf, und muss trotzdem nicht programmieren lernen. Ich glaube wenn sich dieser Knopf einmal löst, dass IT nicht unbedingt tief-technisch bedeutet, würden sich sicher auch mehr Frauen dafür interessieren.

DS: Ich denke aber schon, dass weibliche Role-Models im IT-Umfeld grundsätzlich fehlen.

SHE: Habt ihr schon mal das Gefühl gehabt, als IT-lerin nicht ernst genommen bzw. weniger akzeptiert zu werden? Wie seid ihr damit umgegangen?

AP: Also ich hatte schon einige Situationen wo ich das Gefühl hatte, dass es eine Rolle gespielt hat, dass ich eine Frau bin. Jedoch nicht immer nur negativ, sondern ich glaube, dass es auch Vorteile hat. Gerade bei Kunden habe ich immer wieder das Gefühl, dass sie mir länger und aufmerksamer zuhören, als meinen männlichen Kollegen. Aber ich hatte auch schon Situationen, wo ich mit männlichen Kollegen bei einem Kunden war und der Kunde durchgehend ausschließlich meinen Kollegen angesprochen hat. Wahrscheinlich gar nicht bewusst, oder absichtlich, aber es ist mir aufgefallen. Auch bei unseren Community-Treffen haben einige Teilnehmerinnen erzählt, dass sie immer wieder ähnliche Erfahrung machen, eben weil die IT so eine männerdominierte Branche ist. Da ist man einfach oft mit zehn Männern alleine in einem Meeting-Raum. Das ist daily Business und das muss man wollen bzw. wissen wie man damit umgeht.

DS: Was ich mitgenommen habe ist, dass man im IT Umfeld als einzige Frau oft definitiv die ganze Aufmerksamkeit bekommt und das sind viele nicht gewohnt. Gerade am Anfang ist jeder unsicher und a ist es sehr hilfreich, wenn man ein Netzwerk und einen Safe Space hat, wo man Unterstützung und Hilfestellungen bekommt.

Header © Hanna Pribitzer