Es war ihr Vater, der Jasmin Soravia als Unternehmerin maßgeblich geprägt hat: »Wer feiern kann, kann auch arbeiten«, war sein Leitspruch. »Er war ein großes Vorbild für mich, hat mir logisches Denken beigebracht und den eisernen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen«, sagt die Geschäftsführerin der SoReal GmbH (CEO), der österreichischen Projektentwicklungsgesellschaft der Soravia Gruppe. Dort hat Jasmin Soravia die Gesamtverantwortung für große Projektentwicklungen in Österreich wie etwa TrIIIple, Danube Flats und Austro Tower – mit einem aktuellen Volumen von über einer Milliarde Euro sowie für die Akquisition neuer Immobilienprojekte. Was macht den Erfolg der gebürtigen Kärntnerin aus, die ursprünglich aus der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung kommt und unter anderem bei E&Y Wien, der STRABAG und Conwert gearbeitet hat? »Sicherlich mein Ehrgeiz, meine eiserne Disziplin, meine rasche Auffassungsgabe und mein Wissensdrang. Ich möchte ständig Neues lernen und kann mich auch gut an Gegebenheiten und Situationen anpassen.« All das braucht Jasmin Soravia in der männerdominierten Immobilienbranche auch, um sich zu behaupten, wie sie sagt. Für sie allerdings das Wichtigste für langfristigen beruflichen Erfolg: »Authentisch zu bleiben sowie offen und neugierig durch die Welt zu gehen.«

»Für einen langfristigen beruflichen Erfolg ist es das Wichtigste, authentisch zu bleiben sowie offen und neugierig durch die Welt zu gehen.«

Aufstehen, durchatmen, weitermachen. Auch Elke Hesse ist sich selbst immer treu geblieben – und der Kunst. Die am Konservatorium Wien in Musik, Schauspiel und Tanz Ausgebildete ist seit 2011 Direktorin des MuThKonzertsaals der Wiener Sängerknaben. Die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele mit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sie stark geprägt, wie sie sagt – dort habe sie gelernt, was es heißt, ein Team zu führen. Dabei seien ihr vor allem »Humor, Respekt und ein Miteinander« wichtig. Um noch mehr Frauen in Führungspositionen zu erleben, sei laut der ehemaligen Produzentin in der offTheaterszene »kämpfen, kämpfen, kämpfen« wichtig. »Ich war vor Kurzem in Schweden – so stelle ich mir Gleichstellung vor.« Beruflich am meisten geprägt wurde die Wienerin vom 2005 verstorbenen Regisseur und Theatermacher Hans Gratzer, und ihr Vorbild ist Marie Zimmermann, die ehemalige Theaterchefin der Wiener Festwochen, die in der männerdominierten Theaterwelt ein selbstbewusstes Programm auf die Beine gestellt hat – »vollkommen selbstverständlich und unbeirrt«, sagt Elke Hesse. Ihre Taktik bei beruflichen Niederlagen: »Aufstehen, durchatmen und weitermachen.«

Eine faire Aufgabenverteilung. »Misserfolge hat jeder im Leben«, sagt MiJa Chun, die vor 25 Jahren mit Akakiko eine der erfolgreichsten österreichischen Restaurantketten gründete, nachdem sie ursprünglich als Krankenschwester gearbeitet und dann ein kleines Geschäft am Naschmarkt geführt hat. »Jedes Ende ist auch immer ein neuer Anfang und jedes Scheitern eine neue Chance – das ist keine leere Floskel, sondern meine Erfahrung. Am meisten geprägt hat mich meine Mutter, die in Korea ein kleines Restaurant betrieben hat. Sie hatte einen Blick für das Wesentliche und die Gabe, mit ganz einfachen Mitteln und Intuition ihr Geschäft zu führen.« Die Rolle der nächsten Generation von Frauen in der Wirtschaft sieht die in Südkorea geborene Businessfrau optimistisch und glaubt, dass es zu einem weiteren Ausgleich in der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in Sachen Familie und Kindererziehung kommen werde. »Eine fairere Aufgabenverteilung – ich verwende extra nicht das Wort ,Lastenverteilung‘, denn Kinder und die Zeit mit ihnen sind etwas sehr Schönes – sowie das hohe Bildungsniveau der nächsten Frauengeneration werden die Position der Frauen in der Wirtschaft verbessern und Unterschiede in der Arbeitswelt, die es  leider noch gibt, mehr und mehr ausgleichen.«

Mut zur Gestaltung. Martina Hacker ist Personalchefin des ASFINAG Holding. In dieser Funktion ist das »Fordern und Fördern« von Mitarbeitenden die größte Herausforderung, wie sie sagt. Denn: Für jede und jeden muss das richtige Verhältnis zwischen Können, Wollen und Müssen gefunden werden. Um dann im Sinne der Unternehmensentwicklung die passenden Aus- und Weiterbildungskonzepte, auch in Hinblick auf die bestehenden und zukünftigen Entwicklungen der einzelnen Berufsfelder und Tätigkeiten, zu entwickeln. »Im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestehe ich auf Klarheit und Struktur. Ich bin für sie ,kalkulierbar‘ und lege Wert auf Offenheit und Ehrlichkeit. Wenn es gut läuft, aber auch wenn es nicht so gut läuft. Sich gemeinsam zu ärgern und gemeinsam zu lachen, das ist mir wichtig.« Als Consultant hat Martina Hacker gelernt, dass es im Change-Management und in der Organisationsentwicklung nicht nur aufs gute Konzept ankommt, sondern auch »auf das jeweilige Geschäft“ und darauf, die Menschen kennenzulernen und zu verstehen – sowie den Weg der Veränderung gemeinsam zu gehen. Führung muss in solchen Phasen begleiten und Sicherheit geben. »Die Herausforderungen der Zukunft, die auf uns warten, wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz, verlangen neue Handlungs- und Gestaltungsoptionen. Wir werden viel Mut zur Gestaltung brauchen. Was das für uns Frauen in der Wirtschaft bedeutet: Wir müssen uns zukünftig gegenseitig viel mehr helfen: Weg vom ,Ich schaffe alles alleine‘, hin zu ,gemeinsam sind wir stark‘.«

»Wir müssen uns zukünftig gegenseitig viel mehr helfen: Weg vom ,Ich schaffe alles alleine‘, hin zu ,gemeinsam sind wir stark‘.«

Wissen, was der Kunde braucht. Wie die anderen fünf Sheconomy-Beirätinnen, hat auch Christine Marek bereits zahlreiche entscheidende Karrierestationen absolviert – von der voestalpine, den Österreichischen Lotterien oder Frequentis bis hin zu ihrer eigenen Agentur, Christine Marek Consulting (CMC). Dort unterstützt sie Unternehmen bei der Recherche, Organisation und Implementierung von Projekten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Work-Life-Balance und Diversity- Management. Die ehemalige Staatssekretärin und Nationalratsabgeordnete hat sich nach ihrer politischen Zeit selbstständig gemacht. Als Unternehmerin und Führungskraft wurde sie unter anderem von Maria Rauch-Kallat besonders geprägt: »Sie hat mir zahlreiche berufliche Chancen gegeben. Als ich 2002 ins Parlament gekommen bin, war sie Ministerin, und ich habe immer wieder Möglichkeiten bekommen, sie zu vertreten. Immer, wenn ich einen Tipp gebraucht  habe, etwa als ich Staatssekretärin wurde, ist sie mir mit Rat zur Seite gestanden.“ Für ihren beruflichen Erfolg als Unternehmerin war und ist Christine Marek wichtig, zu wissen, worauf sie sich konzentriert. Es sei für eine Unternehmerin essentiell, sagt sie, zu wissen, was sie verkauft und was der Kunde braucht. Bei Niederlagen und Rückschlägen gehöre es für sie auch dazu, »Wunden zu lecken« – und dann kritisch zu hinterfragen, was der Grund dafür war und „was ich besser machen kann. Denn eine Niederlage ist immer auch eine Chance, um zu schauen, was ich tun kann, damit das nicht mehr passiert – nur so bringt es einen weiter.«

Mut zu unpopulären Entscheidungen. Dass sie im wahrsten Sinn des Wortes die rechte Hand ihres Vaters war, der seine Hand durch eine Sehnenverkürzung nur bedingt verwenden konnte, hat Karin Meier-Martetschläger beruflich am meisten weitergebracht, wie auch die stete Ermunterung durch ihre Eltern, die eigene Meinung zu vertreten. Es gab zu Hause keinen Unterschied zwischen dem Sohn und den Töchtern. Die vier Geschwister wurden absolut gleich behandelt. Karin Meier-Martetschläger stammt aus einem Vollblutunternehmer-Haushalt: Die Mutter hatte eine Pfandleihanstalt, der Vater eine Import-Export-Firma. »Ich habe nie gehört: ,Du bist ein Mädchen, das kannst du nicht.‘ Sondern vielmehr: ‚Du hast einen Kopf, schalte dein Hirn ein!« Ich habe genauso gelernt, elektrische Leitungen zu verlegen, wie einen Ölwechsel bei Schiffsmotoren zu machen oder mit jungen Jahren die Buchhaltung zu führen.« Heute leitet die studierte Juristin und Betriebswirtin die bereits 1975 gegründete Pfandleihanstalt am Währinger Gürtel, die sie von ihrer Mutter übernommen hat. Karin Meier-Martetschläger ist auch in der Wirtschaftskammer für die Pfandleiher und Versteigerer als Berufsgruppenvorsitzende aktiv. Was ihr als Führungskraft und Unternehmerin wichtig ist? „Dass man alles, was man von anderen verlangt, auch bereit ist, selbst zu tun. Das ist für mich ein echter Leitsatz geworden, wie auch die Überzeugung: Es gibt nichts, was Frau nicht kann! Außerdem muss man auch gut zuhören und Ideen aufnehmen können. Und auch den Mut haben, ab und an unpopuläre Entscheidungen zu treffen!«. Für das Geheimnis ihres Erfolges gebe es, so Karin Meier-Martetschläger, einen wichtigen Grund: dass die Kundinnen und Kunden ihre Partner sind und man sich auf Augenhöhe begegnet – »Anders wäre es für mich nicht möglich authentisch zu sein.«

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