In einem Gespräch mit Lutz Fügener, Professor für Automobildesign in Pforzheim, ging es jüngst um die Motive beim Autokauf. »Männer kaufen viel emotionaler als Frauen«, meinte er und erntete in der Runde zunächst etwas Verwunderung. In die Schublade emotionaler Entscheidungen werden schließlich meistens Frauen gesteckt. So nicht beim Autokauf. In vielen anderen Bereichen befinden wir uns dafür immer noch in einem bunten Strickmuster aus Stereotypen: Frauen sind warmherzig, können gut zuhören und Risiken besser abschätzen. Außerdem können sie nicht einparken. Womit wir nun wieder beim Automobil angekommen wären.

Klingt plakativ? Ist es auch. Trotzdem geistern diese Klischees immer noch durch Büroräume, Besprechungszimmer und toben sich auf diversen Diskussionspodien aus. Männer, die diese herumgeisternden Rollenklischees immer wieder neu beleben, werden für diese Einstellung mitunter sogar gelobt und beklatscht. So wünscht sich der Chef des japanischen Bekleidungsimperiums Fast Retailing, zu dem unter anderem auch die Kette Uniqlo gehört, deshalb eine Frau als seine Nachfolgerin, weil Frauen »hartnäckig und detailorientiert« sind und darüber hinaus auch einen »Sinn für das Ästhetische« haben. Eh klar. Der Jubel hallte noch lange nach dieser Aussage nach, denn die japanische Wirtschaft ist nicht gerade dafür bekannt, dass Frauen gefördert und unterstützt werden.

Damit befinden wir uns sofort in einer komplexen Situation. Auf der einen Seite kann wohl zweifelsfrei behauptet werden, dass es Tadashi Yanai mit dieser Aussage – vor allem dann, wenn die Rahmenbedingungen mit ins Bild geholt werden – gut meinte. Aber wie schon die deutsche Band Kettcar wusste: »Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.« Es geht nämlich um positive Stereotypen, die der Gleichberechtigung ganz und gar nicht zuträglich sind. Denn auch ein positives Klischee verweist immer auf ein negatives. Kettenreaktion sozusagen. Oder stimmt es tatsächlich, dass jemand, der gut mit Menschen umgehen kann, deshalb deutlich weniger Ahnung von Zahlen hat? Wir glauben nicht. Und selbst wenn spezifische Attribute sich bei Frauen häufiger abzeichnen als bei Männern, so sagt das noch lange nichts darüber aus, dass die zukünftige Uniqlo-Chefin – sollte es eine geben – auch ganz genauso ist. Die Lösung des Problems lautet: Diversität, also gemischte Teams. In vielerlei Hinsicht, nicht nur wenn es um das Geschlecht geht.

Die Situation wird zusätzlich auch dadurch erschwert, dass Klischees – auch positive – großen Einfluss darauf haben, wie man sich selbst wahrnimmt und in weitere Folge auch gibt. Dazu gibt es Studien. Letzteres betrifft natürlich auch Männer, zum Beispiel dann, wenn sie nicht dazu in der Lage sind mit Zahlen zu jonglieren als wären sie mit dem Zirkus der Mathematik-Genies auf Tour. Wenn also demnächst bei Uniqlo ein Mann ins Büro von Tadahsi Yanai spaziert, der hartnäckig und detailorientiert ist und obendrauf einen Sinn für Ästhetik hat, dann sollte er auch nicht wieder rausgeschmissen werden. Und ja, solche Männer gibt es auch.