Vor Ihrem Job bei Ritter Sport waren Sie Marketingchefin bei Henkell und davor 12 Jahre lang bei Ankerbrot. Gab es Momente in Ihrer Karriere, in denen Sie daran gezweifelt haben, dass Sie einem neuen Job oder einer neuen Position gewachsen sind? Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich mag Herausforderungen. Sie sind für mich Anspruch und Erfüllung zugleich. Bei jeder großen Aufgabe gibt es Momente, wo Hürden unüberwindbar erscheinen oder Widerstände nicht enden wollen. Da hilft aus meiner Sicht die Leidenschaft für die Sache in Kombination mit einem guten Durchhaltevermögen. Solche Momente gibt es immer wieder. Ich versuche dann, nicht an mir oder der Aufgabe zu zweifeln, sondern den Rahmen so zu verändern, dass neue Perspektiven und Möglichkeiten entstehen.

Was war ausschlaggebend für Ihre Entscheidung zu Ritter Sport zu wechseln?

Ich habe ein Faible für Traditionsmarken und familiengeführte Unternehmen. Ritter Sport als Marke ist ein Paradebeispiel für erfolgreiche Markenarbeit. Ein starker, stabiler Markenkern, viel Tradition und trotzdem dynamisch, modern und zukunftsorientiert. Gemeinsam mit den Unternehmenswerten, dem starken Nachhaltigkeitsgedanken, den die Familie Ritter bereits seit über 30 Jahren verfolgt und dem Anspruch richtig gute Schokolade zu produzieren, war ich ziemlich schnell begeistert und mir war klar, dass ich die Verantwortung für die österreichischen Kommunikationsaktivitäten gerne übernehmen möchte.

Gab es einen bestimmten Moment in Ihrer Karriere, in dem Sie ganz klar gewusst haben, wo es beruflich für Sie hingeht oder haben sich eher immer Chancen ergeben?

Ich habe meine Karriere auf Agenturseite gestartet. Ursprünglich von Mediaseite kommend habe ich dann bei einer Kreativagentur weiter Erfahrungen gesammelt. Irgendwann war mir klar, dass ich gerne auf Kundenseite wechseln möchte – um Marken besser und ganzheitlicher betreuen und entwickeln zu können. Das hat mit dem Wechsel zu Ankerbrot auch so funktioniert. Alles Weitere hat sich dann ergeben, allerdings immer mit dem Fokus auf Traditionsmarken.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen, die Marketingabteilungen in Zukunft zu meistern haben?

Wir leben in einer extrem schnellen Zeit. Kommunikationsformen und –gewohnheiten ändern sich laufend. Ich denke, die Herausforderung liegt darin, die KonsumentInnen gut zu begleiten und moderne Kommunikationsformen aufzugreifen ohne jedoch die Eigenheiten bzw. Besonderheiten der Marke außer Acht zu lassen. Kommunikation muss authentisch sein und zur Marke und Zielgruppe passen. Dann gelingt auch der Spagat, trotz relativ kleinen Budgets im großen Werbeuniversum wahrgenommen zu werden.

Wo möchten Sie in Ihrer Arbeit bei Ritter Sport Schwerpunkte setzen? Was ist Ihnen besonders wichtig?

Ritter Sport steht in Österreich für Vielfalt, Abwechslung und Genuss. Was aber noch viel zu wenig kommuniziert wurde, ist der Qualitäts- und Nachhaltigkeitsgedanke, dem die Familie Ritter seit über 30 Jahren Rechnung trägt. Angefangen von Partnerschaften mit Kakao-Bauern in Nicaragua, die faire Arbeits- und Entlohnungsbedingungen einerseits sowie exzellente Kakao-Qualität andererseits sicherstellen sollen bis hin zu dem hohen Qualitätsanspruch, den die Familie Ritter verfolgt. Von der Natürlichkeit der Zutaten bis hin zur Qualität der einzelnen Rohstoffe. So ist der gesamte Kakao, den Ritter Sport für seine Schokoladen verwendet, bereits seit 2018 zu 100% nachhaltig zertifiziert. Diese Aufklärungsarbeit gilt es zu leisten.

Mein Eindruck ist, dass wir Frauen oft zu selbstkritisch sind und das Negative überbewerten.

Hatten Sie schon einmal das Gefühl, dass Sie sich als Frau in Ihrer Position doppelt oder dreifach anstrengen oder bewähren mussten?

Ja das ist immer wieder passiert. Wobei das in letzter Zeit zum Glück fast gar nicht mehr vorkommt. Ich weiß heute sehr gut, wo meine Talente liegen und wie ich sie gewinnbringend einsetzen kann. Mein Eindruck ist, dass wir Frauen oft zu selbstkritisch sind und das Negative überbewerten.

Diversität und Diversitätsmanagement sind zwei Begriffe, die aktuell zwar sehr präsent sind, trotzdem wird Diversität in vielen Unternehmen immer noch nicht wirklich gelebt. Wie wichtig ist es Ihnen in einem diversen Team zu arbeiten? Welche Vorteile entstehen dadurch? 

Diversität entsteht bei Ritter Sport schon alleine dadurch, dass wir uns als internationale Marke verstehen und regelmäßig im persönlichen oder virtuellen Austausch mit den Marketing Managern der ganzen restlichen Welt stehen. Im Rahmen eines wertschätzenden Umgangs sehe ich nur Vorteile. Man erhält neue Perspektiven, profitiert von Best Practice Beispielen und kann im Idealfall Erfolgsbeispiele modifiziert und auf den eigenen Markt angepasst wirksam umsetzen.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

Erfolg bedeutet für mich im Einklang mit meinen Werten und Überzeugungen für Entwicklung zu sorgen. Das betrifft den Unternehmenserfolg genauso wie die Entwicklung von Organisationen und den dahinterstehenden Menschen. Ein Tag, an dem ich etwas bewegen konnte, war ein erfolgreicher Tag.

Haben Sie drei Tipps für ambitionierte, junge Frauen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen?

Wichtig finde ich Leidenschaft, für das, was man tut. Daraus entsteht dann oft das notwendige Durchhaltevermögen und eine gewisse Beharrlichkeit, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Gerade unkonventionelle Ideen können dafür sorgen, dass man »gesehen« wird, auch wenn sie anfangs schwer durchzusetzen sind. Notwendig ist auch »der Blick über den Tellerrand.« Offen sein für Vernetzung und Verschränkung mit anderen Abteilungen innerhalb des eigenen Unternehmens aber auch extern innerhalb und außerhalb der Branche.

Und schließlich: mutig sein und offen dafür, sowohl aus Fehlern wie aus Erfolgen zu lernen.

Foto © Joanna Pianka