Ist es legitim zu sagen, dass das heute einfach nicht mein Tag ist? In einer Zeit, die von niemandem so richtig die Zeit ist (nein, auch nicht von den Desinfektionsmittel-Herstellern)? In einem Jahr, das von niemandem so richtig das Jahr sein will? Vermutlich nicht. Trotzdem sage bzw. schreibe ich es, weil heute auch der Tag ist, an dem ich von einem mir unbekannten Mann bei einer kleinen Fahrradrunde um den Block fast vom Fahrrad gestoßen wurde. Warum auch immer. Der Tag hat mich also wirklich aus der Bahn geworfen und diese schon beim Aufstehen gefühlte Tendenz fand in diesem Ereignis ihren Höhepunkt. Anders als in der griechischen Tragödie ging es dann aber nicht mit retardierendem Moment und Katastrophe weiter, denn ich bin nochmal gerade so davongekommen. Auch wenn ich den von der Regierung vorgegebenen Sicherheitsabstand zu den linkerhand parkenden Autos alles andere als einhalten konnte.

Angesichts dieser Szenerie, die mir rückblickend wie eine Filmszene vorkommt, die niemand jemals schreiben sollte, frage ich mich, ob wir wohl alle, obwohl viele von uns temporär die Spur verloren haben oder diese nicht mehr so ganz halten können, irgendwie davonkommen werden. Verschiedenes kann nachgelesen werden. Zum Beispiel, dass die Welt nach der sogenannten Coronakrise nicht mehr dieselbe sein wird. Ob das nun nur etwas Schlechtes ist, darüber möchte sich kaum jemand so richtig äußern. Auch ich möchte das nicht tun. Zumindest am heutigen Tag nicht, an dem sich die Krise wie ein dunkler Schatten über alles gelegt hat. Wir sind daran gewöhnt, hin und wieder über unseren eigenen Schatten springen zu müssen. Wir tun es oft schon mühelos und lächeln dem Schattenwesen dabei sogar triumphierend ins Gesicht. Der Schatten, den Covid-19 momentan verursacht, ist aber deutlich größer und ändert noch dazu ständig seine Gestalt. Vielleicht sehe ich seine Konturen morgen aber wieder etwas klarer. Ich werde es euch sagen. 

PS. Auch wenn dieser kurze Text nicht danach klingt (sorry about that, aber das ist wohl das Leben), möchten wir unter dem Hashtag #mutmachen all unseren Leser*innen gerne dabei helfen, nach vorne zu schauen, den Mut nicht zu verlieren und sie dabei unterstützen, daran zu glauben, dass sich mit der Kraft der Community dieses Jahr vielleicht doch noch in unser Jahr verwandeln lässt. Wir setzen jedenfalls alles daran.

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