SHEconomy: Sie arbeiten im Bereich der Unternehmensentwicklung der APG, genauer gesagt in der Weiterentwicklung durch Forschung und Innovation. Was bedeutet Innovation für Sie?

Michaela Leonhardt: In Österreich ist die Sicherheit in der Stromversorgung sehr hoch – damit das auch in Zukunft so bleibt, brauchen wir Innovation. Um LeaderIn in Innovation zu sein, braucht es die laufende Bewertung und verstärkte Nutzung neuer Technologien und Lösungen. Setzen wir zum Beispiel intelligente Sensoriksysteme in Umspannwerken ein, können wir mit historischen sowie Echtzeitdaten künftige Ereignisse prognostizieren. Wir wissen so, was wann passieren wird und können unerwartete Ausfälle vermeiden.

Zudem forschen Sie mit Ihrem Team nach Möglichkeiten, erneuerbare Energiesysteme ins Stromsystem zu integrieren und mit »intelligenten Speichern« die Stabilität des künftigen Stromnetzes zu verbessern. Ist nachhaltiges Wirtschaften also möglich?

Im Energiesystem leben wir heute teilweise noch von den Reserven, die unsere »Vorväter« installiert haben. Mit dem starken Ausbau erneuerbarer Energien muss das gesamte Energiesystem leistungsfähiger und flexibler werden. Dies benötigt Innovationen und Investitionen. Das APG-Investitionsprogramm für den Netzaus- und -umbau beträgt für die kommenden zehn Jahre rund 2,9 Milliarden Euro. Zu guter Letzt stärken alle Innovationen im BereichStrominfrastruktur auch den Wirtschaftsstandort Österreich.

Michaela Leonhardt

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit bei österreichischen Unternehmen? Ist hier eine Steigerung erkennbar?

Aktuelle Studien zeigen, dass ein großer Teil unserer Gesellschaft sein Leben Richtung Nachhaltigkeit ausrichtet. Umweltfreundlich, fair, biologisch, regional – Nachhaltigkeit ist im Trend. Gerade Unternehmen im öffentlichen Eigentum wie die APG haben in den Bereichen Nachhaltigkeit und transparenter Umgang mit Ressourcen eine Vorbildwirkung und eine besondere Verantwortung. Die APG nimmt diese Rolle sehr ernst und ist gerade dabei, hier ein umfassendes Maßnahmenpaket zu entwickeln.

Auch Netzwerken ist Ihnen als Gründerin und Vorsitzende des Frauennetzwerkes OVE Fem ein Anliegen. Was möchten Sie Ihren Mitgliedern gerne mitgeben?

Diversität ist ein Innovationstreiber. Bei OVE Fem treffen sich Frauen der Branche aus allen Ebenen. Wir holen sie aufs Podium, wo die Zukunftslösungen diskutiert und in die Umsetzung gebracht werden. Wir benötigen eine exponentielle Beschleunigung, um den Frauenanteil in der Branche relevant zu heben.

Würden Sie uns noch etwas über Ihre Initiative »Girls! Tech Up« erzählen?

Aktuelle Statistiken zeigen, dass fünf von zehn Top-Berufen künftig in der Technik zu finden sein werden. Darunter nehmen Ingenieur/in, Techniker/ in und IT-Spezialist/in die ersten drei Plätze ein. »Girls! TECH UP« hilft Schülerinnen bei der Berufswahl abseits der eingefahrenen Klischees für Jobs und Ausbildungen in der Elektround Informationstechnik. Mit diesem Erlebnistag wollen wir Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren die Chance geben, so viel wie möglich in der Technik zu erleben. Das Erfolgsrezept des Events? Zeitgemäße Vorbilder und positive Hands-on-Erlebnisse.

Abschließend noch eine etwas persönlichere Frage: Was würden Sie Ihrem Ich zu Beginn Ihrer Karriere heute gerne sagen?

Eine sehr nette Frage! Ich würde meinem Ich von damals sagen: »Hab den Mut, deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Was immer in dir brennt, geh los und bleib dran. Und hör nie auf zu träumen, die echten Träume werden wahr.« Das hat sich gut bewährt.