Asetila Köstinger

Wenn jetzt nicht vorausgedacht wird, könnte es richtig viel Geld kosten

»Der Druck seitens der Kund:innen, die nachhaltige Produkte immer stärker nachfragen, wird größer. Corona hat diesen Trend noch zusätzlich befeuert«, so Astrid Weikmann. »Druck entsteht außerdem durch die kommende CO2-Steuer oder den geplanten European Green Deal. Auch Förderungen werden in Zukunft noch stärker an die Einhaltung und Implementierung von Maßnahmen, die auf nachhaltigere Produkte und Produktion abzielen, geknüpft sein.« Die häufig noch sehr traditionell ausgerichteten KMU müssen also aufpassen, »dass sie in dieser Hinsicht nicht von rechts und links überholt werden.« Es ist also an der Zeit, dass Start-ups und KMU voneinander lernen und jenes Konkurrenzdenken überwunden wird, das dem konstruktiven Austausch bislang im Weg stand. Das SDG Innovation Lab könnte für viele Unternehmen ein erster Schritt in diese Richtung sein. »Außerdem möchten wir den Unternehmen mit auf den Weg geben, dass man mit Nachhaltigkeit Geld verdienen und Gewinn machen kann. Dieser Gedanke ist nämlich immer noch viel zu wenig verbreitet“, setzt Asetila Köstinger noch hinzu. 

Was ich als KMU-Unternehmer:in machen kann: 

»KMU können ebenso agil sein wie Start-ups. Aber es reicht nicht, nur hin und wieder Kurse und Workshops zu besuchen, es muss in die DNA der Unternehmen übergehen«, sagt Köstinger. Das SDG Innovation Lab beschreibt sie als Accelerator für kleine und mittlere Unternehmen, der aus der Start-up-Welt bekannte Methoden und Prozesse mit dem für die Beraterin sehr wichtigen Nachhaltigkeitsthema verbindet. »Unser Programm dauert insgesamt fünf Monate und ist alles andere als ein trockener Workshop, bei dem wir mit erhobenem Zeigefinger vor die Unternehmer:innen treten. Es geht darum, wirklich etwas zu bewegen – im eigenen Unternehmen, aber auch für unsere Umwelt und unser Zusammenleben«, so die Initiatorin. Als Programm Managerin des Accelerators kann Astrid Weikmann das nur bestätigen. Sie erklärt, dass das Programm in insgesamt fünf Phasen unterteilt ist, davor gibt es außerdem einen Einführungsworkshop, in dem aufgezeigt wird, was Nachhaltigkeit bedeutet und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind. »Die Teilnehmer:innen lernen außerdem die SDGs kennen. In Österreich sind die Nachhaltigkeitsziele der UN nämlich sehr viel weniger bekannt als man annehmen würde«, erklärt Weikmann. Die fünf Phasen sind folgendermaßen aufgeteilt: Das Programm beginnt mit der Ideenfindung, beispielsweise für ein bestimmtes Produkt, und geht dann in die Definition des Mehrwerts für die Kund:innen über. Danach wird das Modell validiert und gegebenenfalls angepasst. Anschließend entwicklen die Teilnehmer:innen einen Prototypen oder einen Business Case, der anschließend ins operative Geschäft integriert werden soll. »Uns ist wichtig, dass die teilnehmenden Unternehmen mit einer Idee zu uns kommen und mit einem Business Case bzw. der Möglichkeit diesen auch gleich zu implementieren wieder hinausgehen«, fasst Asetila Köstinger zusammen. 

Im Jahr 2017 zählten rund 337.800 Unternehmen in der marktorientierten Wirtschaft zu den KMU, das sind 99,6 Prozent aller Unternehmen in Österreich. Die Berichterstattung in traditionellen und sozialen Medien spiegelt dieses Bild nur bedingt wider, denn gerade wenn es um populäre Wirtschaftsthemen wie Nachhaltigkeit, Innovation und New Work geht, kommen kleine und mittlere Betriebe im Verhältnis zu ihrer Häufigkeit nur sehr selten zu Wort. Meistens sind es Start-ups und Konzerne mit eigenen Innovation Labs, die zu diesen Themen befragt werden. Mit dem SDG Innovation Lab sollen genau jene Unternehmen ansprechen, die aus Zeitgründen wie auch aufgrund geringer finanzieller Ressourcen Innovations- und Nachhaltigkeitsthemen bisher noch kaum auf der Agenda hatten.

Mehr Infos unter: https://sdginnovationlab.com/de/

Astrid Weikmann