Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt leider ein altbewährtes Problem auf: Der durchschnittliche Manager in DAX-Konzernen »beeindruckt« durch folgende Eigenschaften: Er ist männlich, 55 Jahre alt, deutscher Abstammung und seit mindestens 20 Jahren im Unternehmen beschäftigt. Doch auch wenn dieses Teilergebnis ernüchtert: Studienleiter und Wirtschaftsprofessor Stefan Weber unterstreicht in seiner Arbeit auch, dass Managemententscheidungen von mehr Diversität profitieren könnten. Die Kernbotschaft: Vielfalt geht mit mehr Perspektiven zur Lösungsfindung einher.

Dennoch enttäuscht mich die bestätigte Männerdominanz. Ich war der Annahme, dass einige DAX-Unternehmen dazugelernt hatten. Schließlich wurden vor fünf Jahren noch einige Positionen mit Damen besetzt. Doch dieser Trend scheint in den letzten beiden Jahren wieder gestoppt und rückgängig gemacht worden zu sein. Betrachtet man die Situation bei SAP oder in heimischen Unternehmen wie UNIQA oder Bank Austria, sieht man, dass Frauen in Vorstandspositionen entweder »weggekürzt« oder auf weniger einflussreiche Funktionen zurückgestuft wurden. Schaut man sich die vier bis sieben Vorstände pro Unternehmen genauer an, entdeckt man keine einzige Frau.

Warum ist das immer noch so? Hier geht es längst nicht mehr um mangelnde Frauenförderung und entsprechende Gesetze, sondern schlichtweg um die Verweigerung, eine Haltung zu ändern. Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass Frauen anders ticken und viele Männer damit nicht umgehen können beziehungsweise wollen. Dadurch fehlen einerseits die Role Models und die weiblichen Vorbilder in Unternehmen, andererseits auch ein normaler, offener Umgang miteinander auf Augenhöhe. Und dann sitzen erneut wieder über 50-jährige, weiße Männer in den Entscheidungsgremien und wollen von Vielfalt und anderen Perspektiven aus Selbstschutz, Stolz oder einfach aus Bequemlichkeit nichts wissen.

 

Anke van Beekhuis berät Unternehmen bei Fragen zum Thema Unternehmenskultur. Zuletzt erschien ihr Buch »Wettbewerbsvorteil Gender Balance. Wie Unternehmen durch Geschlechterausgewogenheit erfolgreicher wirtschaften!«