Welches Klischee rund um Frauen im Job können Sie nicht mehr hören?

Ein Klischee, das ist einfach nicht mehr hören kann, ist, dass Frauen emotional und schwach sind und sich deshalb nicht für Führungspositionen eignen. Oder auch, dass Frauen mit Kindern keine Führungsposition annehmen können, weil es sich zeitlich nicht ausgeht. Frauen sind unglaublich, wenn es darum geht, Zeitressourcen so einzuteilen, dass Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass es viele Frauen gibt, die das auch schaffen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen würden. Ich wünsche mir, dass sich der gesellschaftliche Anspruch an Frauen ändert. Insofern, dass endlich klar ausgesprochen wird, dass Frauen alles können und deshalb den Männern gleichgestellt sind.

Natürlich geht es dabei aber auch darum, durch Vorbilder und Erfolgsgeschichten das Selbstvertrauen von Frauen zu stärken. Ich habe das in meinem bisherigen beruflichen Leben immer mit großer Begeisterung gemacht. Nach wie vor unterstütze ich junge Frauen gerne dabei, an sich zu glauben, zu wachsen und sich zu trauen ins kalte Wasser zu springen und die nächsten Schritte zu gehen. Nur weil es einem irgendwann einmal von irgendjemandem gesagt wurde, heißt das nicht, dass man etwas nicht kann oder nicht tun sollte

Was war die größte Hürde, die Sie auf Ihrem bisherigen Karriereweg gemeistert haben?

Manches in meinem Leben war vielleicht nicht ganz so einfach, trotzdem habe ich mich immer bemüht diese »Hürden« als Herausforderungen zu sehen. Als Herausforderungen, die mich stärker und erfahrener gemacht haben. Das hat vielleicht auch etwas mit meiner Zeit im Leistungssport zu tun, denn da ist man immer wieder großen Herausforderungen ausgesetzt, geht an seine Grenzen und teilweise auch darüber hinaus. Auch wenn es einmal nicht ganz so klappt, denkt man im Sport eigentlich immer daran, welches Learning man daraus ziehen kann, sodass es vielleicht beim nächsten Mal besser funktioniert. Die schönste Herausforderung oder eben »Hürde«, wenn man es so nennen möchte, war, als ich meinen vorigen Arbeitsplatz verlassen habe, ohne bereits eine neue Stelle in Aussicht zu haben. Ich bin in also ins kalte Wasser gesprungen. Aber es war mir einfach wichtig, mich einmal umzusehen und mich zu fragen, wo ich meine Erfahrungen gut einbringen kann. Ich bin froh, dass ich auch diese Herausforderung angegangen bin und gemeistert habe.

Was motiviert Sie jeden Tag Ihr Bestes zu geben?

Mich motiviert es, andere zu motivieren. Das merke ich auch jetzt bei Rote Nasen. Ich arbeite sehr gerne mit meinem Team zusammen und versuche jede und jeden Einzelnen aus meinem Team dabei zu unterstützen, ihre Leidenschaft, ihr Talent und ihre Motivation bestmöglich einzubringen und hin und wieder auch über den Tellerrand zu schauen.

Mit welcher erfolgreichen Frau würden Sie gerne einmal zu Mittag essen und warum?

Weil ich eben sehr gerne Frauen dazu motiviere, ins kalte Wasser zu springen und sich mehr zuzutrauen, gehe ich sehr gerne mit all meinen Kolleginnen Mittag essen (lacht). Mich interessiert, wie es ihnen gerade geht, wo sie gerade stehen und ich versuche etwas dazu beizutragen, dass sie motiviert und enthusiastisch durchs Leben gehen.

In der Situation, in der wir uns mit Corona momentan befinden, muss ich sagen, dass ich sehr gerne mit Angela Merkel Mittag essen gehen würde. Sie ist für mich der Inbegriff einer erfolgreichen Frau in einer Führungsposition. Sie ist an der Spitze der Spitze. Und sie hat es nicht nur geschafft, dorthin zu kommen, sondern sich dort auch zu halten und authentisch zu bleiben, egal welche Krisen aufkommen. Ich finde es bewundernswert, wie sie damit umgeht und mit welcher Intelligenz, Ruhe und Authentizität sie diese Situationen bewältigt. Außerdem schafft sie es schon über viele Jahre hinweg, Männer zu mobilisieren, zu einen und ihre Ideen und Visionen mitzutragen. Gemeinsame Ziele, Missionen und Visionen sind unglaublich wichtig. Zu wissen, wofür wir die Dinge überhaupt machen. Dann gelingt es auch leichter, Menschen zu motivieren und zu mobilisieren. Deshalb sind mir Transparenz und Verständnis auch so wichtig.

Gerade jetzt ist es unglaublich wichtig, zusammenzuhalten und sich gegenseitig Mut zu machen. Was lässt Sie positiv in die Zukunft blicken und wie möchten Sie anderen Menschen Mut machen?

Wenn plötzlich ein so großes Paket an Dunkelheit und Ungewissheit über einen hereinbricht, dann kann es unglaublich schwierig sein, damit umzugehen. Wenn man dieses Paket aber auf kleine Portionen oder kleine Schritte herunterbricht, dann wird es einfacher. Man geht jeden Tag einen Schritt und leistet etwas, das man auch zu leisten imstande ist.

Ich blicke deshalb positiv in die Zukunft, weil sich wieder einmal zeigt, wie unglaublich anpassungsfähig die Menschheit ist. Wir haben schon sehr viele Herausforderungen gemeistert und das wird uns auch mit dieser gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Krise gelingen. Es kann aber nicht alles auf einmal passieren, sondern es sind kleine Schritte, wie eben die sozialen Kontakte zu reduzieren.

Als Geschäftsführerin von Rote Nasen ist es aber natürlich auch meine Aufgabe zehn Schritte voraus zu denken und mir Gedanken darüber zu machen, wie wir uns jetzt aufstellen, so dass wir gut durch die Krise kommen. Außerdem ist es mein Job, jetzt und in Zukunft alle Mitarbeiter*innen dazu zu motivieren ihr Bestes zu geben. Auch wenn wir räumlich getrennt sind, sind wir trotzdem ein Verein, eine Gruppe an Menschen, die Humor in die Welt bringen wollen. Und genau das ist es auch, das uns antreibt – wir möchten Menschen zum Lachen zu bringen. Ob das nun über YouTube-Channels, über Skype oder andere Tools passiert, wir werden es schaffen. Entscheidend ist, dass wir alle zusammenhalten und einander so gut es geht unterstützen.