Mit einem 28.000 km langen Energienetz und über zwei Millionen KundInnen in und um Wien sind die Wiener Netze Österreichs größter Kombinetzbetreiber. Die Herausforderung ist, etwas Unsichtbares sichtbar zu machen. Denn die reibungslose Energieversorgung ist selbstverständlich geworden. Dabei sind die Wiener Netze viel mehr als ein Infrastrukturunternehmen – sie sind ein modernes Dienstleistungsunternehmen, das für seine KundInnen an dem Netz der Zukunft und der intelligenten Infrastruktur von morgen arbeitet.

Welches Klischee rund um Frauen im Job können Sie nicht mehr hören?

Viele. Schon der Begriff »Karrierefrau« reicht aus. Oder haben Sie schon mal vom »Karrieremann« gehört?

Sind Sie Feministin?

Ja.

Was war die größte Hürde, die Sie auf Ihrem bisherigen Karriereweg gemeistert haben?

Ich habe eigentlich nie Hürden gesehen, sondern immer »sportliche Herausforderungen«. Die waren am Beginn meiner beruflichen Laufbahn am größten – nämlich nach einigen Praktika und Nebenjobs den tatsächlichen Einstieg in die Branche zu schaffen, als PR-Beraterin mit fixer Anstellung in einer Kommunikationsagentur.

Bettina Widlar, Leitung Unternehmenskommunikation Wiener Netze

Was motiviert Sie jeden Tag Ihr Bestes zu geben?

Mein Team. Und die Möglichkeit, gemeinsam die Zukunft der Stadt mitzugestalten. Die Wiener Netze betreiben kritische Infrastruktur – ohne uns wäre es finster und kalt. Wir alle machen einen sehr sinnvollen Job, wir halten Wien am Laufen. Das fühlt sich gut an und motiviert.

Wie gehen Sie mit beruflichen Rückschlägen um?

Das gehört dazu. Ich überlege und nehme mit, was mir für zukünftige Situationen helfen könnte, was ich anders machen könnte, und gehe dann weiter. So kann ich auch aus negativen Ereignissen Positives gewinnen.

Welche drei Eigenschaften helfen Ihnen dabei, erfolgreich zu sein?

Wertschätzung, Empathie, Engagement.

»Im beruflichen Kontext hatte ich immer wieder eine Mentorin – als Vorbild und Ratgeberin.«

Haben Sie ein weibliches Vorbild?

Da gibt es viele. Im beruflichen Kontext hatte ich immer wieder eine Mentorin – als Vorbild und Ratgeberin. Jemanden, der mir Mut gemacht hat und gezeigt hat, dass man alles schaffen kann. Ich finde, Vorbilder sind essenziell. Deshalb bin ich auch vom »SPOTLiGHT-Programm« der Wiener Netze begeistert: MentorInnen stehen Talenten im Unternehmen als RatgeberInnen, FörderInnen und KritikerInnen zur Seite. Da profitieren alle – als Führungskraft bekommst du neue Impulse durch den Perspektivenwechsel, als Mentee etwa die Möglichkeit, Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Was wären Ihrer Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte in Richtung Gender Equality?

Es ist tatsächlich ein Schritt nach dem anderen, den wir setzen müssen. Bei den Wiener Netzen haben wir bereits viel geschafft: Seit 2017 gilt die Konzernrichtlinie zur Gleichstellung. Ziel ist die zahlenmäßig gleiche Verteilung von Frauen und Männern bzw. allen Geschlechtern in allen Arbeitsbereichen. Vor allem in technischen Berufen haben wir noch einen Weg vor uns – aber gerade hier setzen wir an. Etwa in meinem Bereich mit unserer Vermittlungsfigur in der Kinder- und Jugendkommunikation »Mona Netz«. Als Illustration aber auch als reale Person spricht Mona zielgruppenadäquat junge Menschen an. Diese Figur animiert Mädchen und Buben bereits im Volksschulalter, ihren eigenen Zugang zu Forschung und Technik zu finden.

Ein wesentlicher Punkt für Gender Equality ist auch die Unterstützung von Familien. Es braucht ein gutes Kinderbetreuungs-Angebot. In den Sommerferien gibt es etwa eine Betreuung für die Kinder unserer MitarbeiterInnen und auch sonst wird Rücksicht auf Eltern genommen.

Haben Sie das Gefühl – oder können es sogar aus Ihrem eigenen Berufsleben bestätigen – dass sich Frauen in ihrem jeweiligen Job oft doppelt oder dreifach anstrengen müssen?

Das lässt sich glaub ich schwer allgemein beantworten. Aber bei uns im Haus habe ich persönlich nicht das Gefühl, dass ich mich stärker beweisen muss als meine Kollegen. Ich fühle mich als Frau in einem Arbeitsumfeld mit großteils männlichen Kollegen sehr wohl und werde respektiert – meine Leistung und mein Beitrag im Team werden geschätzt.

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