Die Geschichte der Kartographie reicht weit zurück – nämlich 9.000 Jahre. Die älteste kartographische Darstellung wurde in der Jungsteinzeit-Siedlung Çatal Hüyük gefunden. Die Tontafel von Nuzi ist etwa 5.800 Jahre alt, die Himmelsscheibe von Nebra wurde vor etwa 3.700 Jahren gefertigt. Aus der Zeit der Antike und Christi Geburt sind ebenfalls einige Karten bekannt. Im Mittelalter wurden Karten in Klöstern angefertigt, allerdings wurden die sogenannten mappae mundi sehr von den religiösen Lehren und Anschauungen der Mönche beeinflusst. Präziser waren die auf Tierhäuten gezeichneten Portulan- und Rumbenkarten der Seefahrer um das Jahr 1300, denn es flossen ihre neuen Entdeckungen ein, und die Karten umfassten auch Küstenumrisse und Hafenstädte. Die Kartographenschulen in Italien und Spanien und große Kartenverlage in Deutschland und den Niederlanden ebneten schließlich den Weg zur modernen Kartographie. Es entstanden systematische Kartensammlungen, für die der Geograf Mercator den Begriff „Atlas“ erfand. Die Niederländer waren Mitte des 16. Jahrhunderts führend in der Kartographie, es wurden Stadtpläne, Entfernungskarten und auch Stadtansichten aus der Vogelperspektive gefertigt.

 

Wertsteigerung bei höherwertigen Karten

Als Sammelobjekt wurden historische Landkarten kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Bereits in den 1960er-Jahren wurden seltene Karten zu Spitzenpreisen gehandelt. Die Sammelleidenschaft für Landkarten ist bis heute ungebrochen. Wertsteigerungen sind jedoch nur mit seltenen, hochwertigen Stücken zu erzielen. „Diese Entwicklung zieht sich durch den gesamten Kunstmarkt: Die sogenannte Mittelware sinkt immer mehr im Wert, während das Unikale, Seltene, Bedeutende sich exponentiell im Wert steigert. Ich würde sagen, bei allen Karten, die man als höherwertig bezeichnet, kann man schon von einer Wertsteigerung ausgehen, die sich um bis zu zehn Prozent im Jahr bewegt“, erklärt Hugo Wetscherek, Geschäftsführer des Antiquariats Inlibris. Kauft man also dekorative Karten, die bereits um ein paar hundert Euro angeboten werden, ist die Schere zwischen Einkaufspreis und einem allfälligen Auktionserlös zu gering, als dass man eine sinnvolle Wertsteigerung erzielen könnte.

 

Seltenheit ist entscheidend

Anders, als man annehmen möchte, ist das erste Kriterium für den Wert einer historischen Landkarte nicht das absolute Alter. „Was eine Karte bedeutend und damit wertvoll macht, ist ihre Seltenheit. Das heißt: Wie viele Exemplare gab es auf dem Markt in den letzten Jahren oder Jahrzenten? Wie viele Karten gibt es in institutionellem Besitz? Auch die abgebildete Region spielt eine Rolle. Wir haben in der Mittelware die innereuropäische Topografi e, auch Österreich und Deutschland, die ins Bodenlose gefallen ist, während vergleichbare Stücke etwa aus China oder auch von der arabischen Halbinsel durchaus wertvoll sind. Während Europa im 19. Jahrhundert rauf und runter abgebildet wurde, sind das Regionen, die damals weitgehend unbeachtet geblieben sind“, so Wetscherek.

 

Einwandfreier Zustand

Wie bei allen Antiquitäten, spielt auch bei Landkarten der Zustand eine wichtige Rolle. „Die Erwartungshaltungshaltung des Kunden und damit des Marktes ist ein wirklich einwandfreier Erhaltungszustand. Es gibt Mängel, die restauriert werden können, wie zum Beispiel Einrisse, aber es gibt auch Erhaltungsmängel, die unrestaurierbar sind, wie Schimmelbefall oder wenn Teile der Karte nicht mehr vorhanden sind, weil sie ausgerissen sind“, erklärt Fachmann Wetscherek. Von solchen Karten sollte man die Finger lassen, wenn man sie als Wertanlage kaufen möchte, denn „diese Karten sind nichts wert und werden auch mit der besten Restaurierung nichts wert“, so der Experte. Auch das Colorit ist bei der Preisfindung mitentscheidend. Man muss davon ausgehen, dass bis Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts alles in Schwarz-Weiß gedruckt wurde. Die Farbe wurde per Hand aufgetragen, und da macht es den Unterschied, ob die Karte in der Zeit koloriert wurde, das heißt, bei Karten aus dem 16. Jahrhundert wurde auch im 16. Jahrhundert koloriert oder im 19. Jahrhundert oder gar erst in den letzten zehn bis 20 Jahren.

 

Nachweis der Herkunft

Hat man als Sammler wenig Erfahrung, sollte man sich für den Ankauf von hochwertigen, teuren Karten immer an einen Fachmann wenden. Dadurch ist man weitgehend vor Fälschungen und Diebesgut sicher und bekommt auch einen Nachweis der Herkunft des Stückes. Schnäppchen auf Antikmärkten oder Online-Plattformen sind zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich. Leicht könnte man auf eine täuschend echte Farbkopie, die auf Pergamentpapier gedruckt ist, hereinfallen. Auch der Nachweis der Provenienz ist bei solchen Stücken oft nicht gegeben, jedoch ist er, vor allem für den Weiterverkauf, unerlässlich. Denn Stücke mit zweifelhafter Provenienz sind nicht handelbar.

Hugo Wetscherek dazu: „Landkarten waren von Anfang an für den Markt gedacht und sind am Markt zirkuliert. Man wird keine Landkarte am Markt fi nden, die mehr als 100.000 Euro wert ist und die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht ist. Meist ist sogar der Erstbesitzer durch einen Besitzvermerk nachgewiesen, zumindest hat man jedoch einen Vorbesitzer. Das ist umso wichtiger, als ja Karten oft als Teil von Büchern aus diesen herausgestohlen oder herausgeschnitten wurden. Da muss man sehr vorsichtig sein.“

 

Teure Stücke

Wirklich einwandfreie, seltene Karten und Atlanten werden im sechsstelligen Bereich gehandelt. So wurde bei Inlibris im Dezember ein Exemplar von Blaeus „Atlas Major“ verkauft. Das große Kartenwerk aus 1662 enthält über 1.500 Landkarten. Beim Verkauf wurde dafür eine knappe Million Euro erzielt. „Was Einzelkarten betrifft, war unser teuerster Verkauf eine Gruppe von fünf Wandkarten: eine Weltkarte und die vier Kontinente. Das Ensemble von Paolo Petrini, das um ca. 1700 entstand, brachte im Verkauf eine halbe Million Euro“, erklärt Hugo Wetscherek.