Was bedeutet Innovation für Dich?

Innovation bedeutet für mich die gezielte Weiterentwicklung eines Unternehmens. Dies ist einerseits durch ein neues Geschäftsmodell, durch neue Produkte oder durch neue Services möglich. Dabei geht es nicht darum, die Welt neu zu erfinden. Es geht vielmehr darum, das eigene Angebot zeitgemäß und attraktiv zu gestalten. Dabei ist es hilfreich die Branchenlogik zu durchbrechen und von anderen Unternehmen zu lernen. Und diese Erkenntnisse für sein eigenes Unternehmen zu nutzen.

Stichwort: Corona-Krise. Wie geht es Dir damit?

Die Welt verändert sich gerade blitzartig. Für mich ist das sehr spannend. Einerseits wegen meinem eigenen Unternehmen. Anderseits aber vor allem wegen meiner KundInnen. Viele kommen im Moment auf mich zu. Nach der ersten Schockstarre sind gefühlt alle Unternehmen dabei, sich neu zu erfinden. Entweder weil sie es müssen oder weil sie es wollen. Viele Unternehmen sind derzeit geschlossen. Das ist die beste Zeit um innezuhalten, zurückzublicken und daraus zu lernen, um darauf aufbauend die Zukunft aktiv zu gestalten. Es ist somit die beste Zeit, um das eigene Unternehmen weiter zu entwickeln. Und diese Gelegenheit nutzen bereits sehr viele.

Du arbeitest eher mit Start-Ups und EPU, richtig?

Ich arbeite nach wie vor mit Konzernen. Das war schon immer meine Welt. Anfang 2019 habe ich aber mein eigenes Unternehmen gegründet. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich mein Kundensegment auf EPU und Start-Ups erweitert. Das ist für alle extrem spannend, weil wir viel voneinander lernen können. Dabei habe ich mir überlegt, wie ich all jene Dinge, die ich in großen Unternehmen gelernt und angewendet habe, auch für kleine Unternehmen anbieten kann. Daraus haben sich viele Möglichkeiten ergeben, die in Zeiten des Umbruchs für EPU besonders wertvoll sind.

Was ist am Weg zu Innovation für diese kleinen Unternehmen essentiell?

Essentiell ist das Bewusstsein, dass es eine Veränderung braucht, um erfolgreich zu bleiben, bzw. es zu werden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass bereits durch kleine Maßnahmen Großes bewirkt werden kann. Als EPU haben wir einen großen Vorteil. Gerade weil wir klein sind, können wir besonders schnell auf Veränderungen reagieren. Ich biete zum Beispiel seit Ende März meine Beratungs- und Coaching-Dienstleistung zum Thema »Create new Business« auch online an. Das wurde sofort von vielen angenommen. Das hat mich selbst überrascht, weil ich eigentlich nie online mit KundInnen arbeiten wollte. Aber im Moment ist es einfach passend.

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Was konntest Du aus der Arbeit in den großen Unternehmen sonst noch mitnehmen?

Ich habe extrem viel mitgenommen. Zum Beispiel wie wichtig eine klare Positionierung, ein konkretes Produkt und ein guter Marktauftritt für ein Unternehmen sind. Aber auch wie wichtig es ist, sich mit jemandem auszutauschen und Entwicklung gezielt und strukturiert anzugehen. Für kleine Unternehmen heißt das: Raus aus der Komfortzone, Ideen sammeln, diese verfeinern, mit Freunden, KundInnen oder ExpertInnen darüber diskutieren und erst danach in die Umsetzung gehen. In der Umsetzung ist es wichtig, sich einen realistischen Zeitplan zu setzen. Und dranbleiben, auch wenn es nicht immer einfach ist. Eins nach dem anderen. Nach dem Motto: Small steps lead to big changes.

Wie oft hörst Du den Satz »Das haben wir schon so oft versucht, das hat noch nie funktioniert«?

Diesen Satz höre ich nie. Ich denke das liegt daran, dass zu mir nur UnternehmerInnen kommen, die tatsächlich etwas verändern möchten. Dieser Satz ist ja eher eine Abwehrhaltung. Aber wenn dieser Satz kommen würde, würde ich diesen konkret hinterfragen. Oft stecken Verhaltensmuster dahinter, warum Dinge nicht funktionieren. Durch systemisches Coaching kann ich diese gut lösen.

Denken Frauen innovativer, lassen sie sich eher auf neue Lösungen ein?

Das ist eine schwierige Frage. Bei mir ist es so, dass vermehrt Frauen ihr Unternehmen mit mir gemeinsam weiter entwickeln möchten. Ich denke sie sind eher dazu bereit Unterstützung anzunehmen. Mittlerweile gibt es sehr viele top Unternehmen, die von Frauen entwickelt und geführt werden. Auch in der Start-Up Szene sind Frauen gerade ganz stark im Kommen. Ich finde das großartig.

Gibt es auch so etwas wie eine Innovationsfalle?

Ich denke schon. Es gibt Menschen, die haben tolle Ideen, sind aber keine Umsetzer. Dann gibt es welche die setzen eine Idee nach der anderen um, bleiben aber nicht dran. Das heißt, dass keine Idee zu einem erfolgreichen Unternehmen wird. Meines Erachtens ist hier weniger mehr. Weniger Ideen und mehr Fokus.

Würdest Du sagen, dass Du deinen Weg gefunden hast?

Ja, definitiv. Aber das hat seine Zeit gebraucht. Ich habe mich lange und intensiv damit beschäftigt, was mir Freude bereitet und Energie gibt und wie ich all das für KundInnen auch attraktiv und wertvoll verpacken kann. Anfang 2019 habe ich dann mein eigenes Unternehmen gegründet, die Innovationsmanufaktur. Seitdem ist alles im Fluss und ich habe das Gefühl ich bewege mich wieder in meinen Eigenfarben. Ich bin wieder ich selbst. So wie ich sein will. Und das spürt mein Umfeld und wahrscheinlich finden mich meine KundInnen deswegen. Sie kommen auf mich zu und sind unglaublich offen und wertschätzend. Und das ist natürlich die beste Basis für Entwicklung.

https://www.innovationsmanufaktur.co.at

 

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