Könntest du deinen beruflichen Weg vielleicht ganz kurz für uns umreißen?

Ich habe nach dem Abschluss meines Publizistikstudiums mit dem berufsbegleitenden Master »Kommunikationsmanagement« an der FH Wien begonnen. Bis zum Ende des Studiums habe ich in einem Software-Startup in Wien als Marketingmanagerin gearbeitet und während dieser Zeit schon gemerkt, dass mir Online Marketing total viel Spaß macht. Nach dem Studium wollte ich mich dann auch jobmäßig in eine andere Richtung weiterentwickeln und habe deshalb zu einer Immobilienplattform gewechselt. Dort gehören nun Marketingleitung und Brand Management zu meinem Aufgabenbereich. Es ist ein sehr vielfältiger Job. Was ich aber definitiv sagen kann, ist, dass ich im Online Marketing mein berufliches Zuhause gefunden habe.

Katharina Stiedl, Gründerin von Yes Girl Yes

Yes Girl Yes gibt es ja noch nicht lange. Wie ist das Netzwerk entstanden? Welche Rolle hat die Corona-Krise dabei gespielt?

Ich hatte während meiner beruflichen Laufbahn immer sehr viel mit Männern zu tun, weil ich ja zunächst bei einer Software-Firma gearbeitet habe und jetzt in der Immobilienbranche tätig bin. Davor war ich auch eine Zeit lang in der Finanzmarktaufsicht. Das Gefühl der gegenseitigen Unterstützung kam in dieser Zeit leider öfters zu kurz. Ich helfe und unterstütze gerne, das hat mir von der Gegenseite leider oft gefehlt. Ich habe aber nicht aufgegeben daran zu glauben, dass wir uns gegenseitig unterstützen wollen, dass das in uns steckt. Weil ich aufgrund der aktuellen Situation in Kurzarbeit bin, hatte ich plötzlich Zeit dafür, meinem Wunsch zu helfen noch mehr Raum zu geben. Allerdings wusste ich am Anfang gar nicht so richtig, wie ich das angehen soll. Ich habe dann für mich festgestellt, dass es am meisten Sinn macht, dort zu helfen, wo die eigenen Kompetenzen liegen.

Deshalb konzentriert ihr euch bei Yes Girl Yes auch auf den Bereich Online Marketing, richtig?

Ja, genau. Ich habe ein großes Netzwerk aus Freundinnen und Bekannten, die ebenfalls im Online Marketing tätig sind. Viele davon sind momentan ebenfalls in Kurzarbeit und möchten diese Zeit sinnvoll nutzen. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch viele Unternehmerinnen, die mir erzählt haben, dass sie ihre Dienstleistungen offline nicht mehr anbieten können, aber online nicht gut genug ausgerüstet sind. Ich habe also beide Seiten zusammengebracht. Insgesamt war es eine sehr spontan Idee. Ich habe mich aber ganz bewusst dafür entschieden, dass es darum gehen soll, dass Frauen Frauen unterstützen. Weil mir das einfach ein sehr großes Anliegen ist und ich den Geist der gegenseitigen Unterstützung unter Frauen befeuern wollte. Außerdem glaube ich daran, dass für jede von uns ein Stück vom Kuchen da ist. Ich bin dann mit der Website online gegangen und habe gleichzeitig damit begonnen nach Frauen zu suchen, die helfen möchten. Ich nenne sie »Supergirls«. Es kamen sehr rasch Rückmeldungen, aus denen ich unter anderem herausgelesen habe, dass diese Frauen irrsinnig glücklich darüber waren, wieder eine Aufgabe zu haben. Auch Unternehmerinnen haben sich sehr schnell gemeldet. Mittlerweile sind wir mehr als 35 Supergirls und mehr als 30 Unternehmerinnen haben sich bereits gemeldet. Wenn mich eine Unternehmerin kontaktiert, mache ich zunächst immer ein Erstgespräch und bringe dann das richtige Supergirl mit der richtigen Unternehmerin zusammen.

Gefühlsmäßig ist Social Media ja schon überall. Trotzdem gibt es viele Unternehmen, die da noch etwas Aufholbedarf haben und jetzt nachziehen müssen. Siehst du darin auch die vielzitierte Chance der Krise?

Ich sehe die aktuelle Situation in dieser Hinsicht definitiv als Chance. Ich glaube auch, dass das Thema eines ist, das viele Unternehmerinnen vor sich her schieben, weil es auf den ersten Blick unüberwindbar scheint. Wenn man sich mit einem solchen Anliegen an klassische Agenturen wendet, wird hier sehr schnell über Summen gesprochen, die viele Klein- und Einzelunternehmerinnen einfach nicht stemmen können. Da geht es dann meistens gleich um irrsinnig umfangreiche Projekte. In vielen Fällen reicht es aber auch, einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Fest steht jedenfalls, dass man heutzutage einfach nicht mehr darum herumkommt online präsent zu sein. Ich glaube schon, dass die Krise viele Leute aufgerüttelt hat, weil sie erkannt haben, dass sich unser Leben zusehends in den Online-Bereich verlagert. Man könnte hier sogar schon von einem »neuen sozialen Raum« sprechen, finde ich.

»Für mich ist jetzt schon ganz klar, dass ich das weiterverfolgen werde.«

Wie geht es mit Yes Girl Yes nun weiter? Könntest du dir vorstellen, dass du das Projekt auch über die Krise hinaus weiterverfolgst?

Für mich ist jetzt schon ganz klar, dass ich das weiterverfolgen werde. Es ist jetzt einfach mein Baby und es ist unglaublich viel Herzblut und Arbeit hineingeflossen. Ich glaube, dass die Plattform als Anlaufstelle für Klein- und Einzelunternehmerinnen, die diese auch miteinander verknüpfen möchte, großes Potenzial hat. Ich plane sowohl diesen Netzwerkgedanken weiterzuführen und auszubauen, möchte auf der anderen Seite aber auch die Idee weiterverfolgen, dass es eine Plattform gibt, auf der Klein- und Einzelunternehmerinnen, die Hilfe im Online-Bereich brauchen, diese von anderen Klein- und Einzelunternehmerinnen bekommen. Und wir uns alle damit gegenseitig so stärken, dass wir eines Tages vielleicht doch noch eine Chance gegen die Großen haben und jede Frau in Österreich online einen Platz findet. Damit könnten wir allgemein die Präsenz der österreichischen Unternehmerinnen stärken. Es wird also definitiv weitergehen.

Die Frage aller Fragen: Glaubst Du, dass unsere Welt nach der Corona-Krise eine andere sein wird? Oder in gewissen Aspekten zumindest anders funktionieren wird?

Ich hoffe, dass sich manche Dinge nachhaltig verändern. Ich habe schon das Gefühl, dass wir aufgrund der aktuellen Umstände alle näher zusammengerückt sind und auch wieder ein bisschen mehr über die eigene Nasenspitze hinausschauen. Das finde ich unglaublich schön. Ich hoffe auch, dass sich das Denken nachhaltig etabliert, dass wir füreinander da sind, einander unterstützen und uns gegenseitig stärken. Ich fände es schön, wenn wir diesen Austausch beibehalten könnten. Zum anderen glaube ich auch, dass sich unser Leben zu noch größeren Teilen ins Internet verlagern wird und Online-Präsenz dadurch immer wichtiger wird.

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