Zwar zieht Phoebe Waller-Bridge alias »Fleabag« in der gleichnamigen Serie ihr Ding auf ebenso radikale wie höchst amüsante Weise durch und Natasha Lyonne kämpft als Hauptprotagonistin der hochgelobten Netflix-Serie »Russian Doll« gegen Raum und Zeit an, trotzdem bildet ein Großteil der gezeigten Filme und Serien eher Heldenreisen als Heldinnenreisen ab. Immer noch ist es der »Warrior«, der um ein Vielfaches mehr Aufsehen erregt als die Magd im Kampf gegen ein diktatorisches System der Ausbeutung. Dass es sich dabei nicht um subjektive Wahrnehmung oder eine reine »Gefühlssache« handelt, belegen zahlreiche Studien. Sie zeigen, dass Frauen in Filmen, Serien wie auch in der Filmbranche unterrepräsentiert sind. Sie sind seltener zu sehen, haben weniger Redezeit und weniger einflussreiche Rollen. Beispielsweise kann anhand einer von der Annenberg Foundation durchgeführten Analyse abgelesen werden, dass der Anteil von sprechenden Frauenrollen in populären Produktionen seit 2007 konstant im Bereich zwischen 30 und 33 Prozent liegt.

Um hier gegenzusteuern hat das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort den Drehbuchwettbewerb »Heldinnen in Serie« ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative soll die Darstellung von Frauenfiguren qualitativ verbessert, die Positionierung von Frauen in der Branche gestärkt und gleichzeitig ein Anreiz für die Entwicklung von Serien in Österreich geschaffen werden. Außerdem soll der Wettbewerb Impulse für die Entwicklung neuer serieller Formate setzen, die besonders Wissenschaftlerinnen und Frauen in der Wirtschaft und Technik in den Fokus rücken. Gesucht werden also Konzepte, die starke Frauenfiguren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technik ins Zentrum der Handlung holen. Damit kommt dem Drehbuchwettbewerb auch ein großer gesellschaftlicher Impact zu: Weibliche Vorbilder werden nämlich nicht nur im fiktiven Film- und Serienuniversum dringend gebraucht, sondern fehlen auch in der realen Berufswelt. Und zwar vor allem dann, wenn es um technische Berufe und um Spitzenjobs in Wirtschaft und Wissenschaft geht.

Ausgezeichnet werden insgesamt sechs Exposés mit einem Preisgeld von je 20.000 €, die mindestens eine weibliche Hauptfigur aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technik hervorheben oder beinhalten. Teilnehmen können kreative Talente ab 18 Jahren. Nach der für Ende März angesetzten Preisverleihung durchlaufen die ausgezeichneten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein sechsmonatiges Mentoringprogramm, das bei der Weiterentwicklung der Ideen unterstützt. Zum Abschluss werden im Herbst dieses Jahres die Projekte bei einem Pitch-Event vor Sendern, Produktionsfirmen und Plattformen präsentiert.

Ausgeschrieben wird der Wettbewerb vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Die Einreichfrist endet am 18. Februar 2020.

Weitere Infos und der Einreichlink sind hier zu finden.