Seit dem Jahr 1985 verlangt das österreichische Gleichbehandlungsgesetz die geschlechtsneutrale Ausschreibung von Stellen. Das ist unter anderem auch deshalb wichtig, weil die Formulierung von Stellenausschreibungen maßgeblichen Einfluss auf das Bewerbungsverhalten hat. Auch heute kennen wir das noch in einem anderen Zusammenhang, denn es gibt kaum Ausschreibungen, die nicht so formuliert sind, als würden auf der ganzen Welt nur noch Superwomen und keine normalen Menschen mit normalen Fähigkeiten mehr gebraucht werden.

Etwas komplizierter mit der Gesetzeslage wird es leider immer noch dann, wenn es um das Gehalt geht. Tatsache ist trotzdem, dass Frauen in Österreich im Schnitt immer noch 15,2 Prozent weniger verdienen als Männer. In Tagen gerechnet sind das insgesamt 56 Tage, an denen Frauen unbezahlt arbeiten. Daher fällt der Equal Pay Day im Jahr 2020 auf den 25. Februar 2020 – bis dahin haben Frauen heuer also gratis gearbeitet. Im Oktober wird es nochmals einen Equal Pay Day geben. Das wird dann jener Tag sein, bis zu welchem die in Österreich arbeitenden Männer das Jahresgehalt der Frauen bereits erreicht haben.

Gleich ist gleich

Aber was ist nun mit dieser Agentur namens »Gnutlah & Partner«, die Jobausschreibungen ins Netz stellt, die sich ganz und gar nicht an das eingangs erwähnte Gleichbehandlungsgesetz halten? So bekommt laut einer Ausschreibung auf Facebook der Bürokaufmann 2.500 Euro, die Bürokauffrau nur mehr 2.250. Es dürfte wohl nicht allzu schwer zu erkennen sein, dass es sich bei den Jobausschreibungen nicht um reale Angebote handelt (liest man »Gnutlah« rückwärts kommt »Haltung« dabei heraus). Wer auf das Inserat klickt, kommt außerdem auf eine Seite, die keine Derails zum angebotenen Job, dafür eine durchaus klare Message enthält: »Der Gender Pay Gap ist kein Mythos«. Die Inserate sollen also den Unterschied im Verdienst zwischen den Geschlechtern verdeutlichen. Der Verein Mimikama hat dazu mit Thomas Meyer von der für die Inserate verantwortlichen Agentur Toman+Meyer gesprochen: »Ziel der Kampagne ist Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit auf ein Thema, das zu oft zu komplex und nicht plakativ genug dargestellt wird«, so Meyer. Die Aufmerksamkeit zu erzeugen ist jedoch nur der erste Schritt, das Ziel soll die Lösung des Problems sein: »Es gibt Ungerechtigkeiten, die einfach lösbar wären. Diesen müssen wir uns als Zivilgesellschaft annehmen – weil es sonst niemand tut.«