Vor jedem Jahreswechsel schauen wir gerne zurück auf das, was gut und weniger gut gelaufen ist, weil wir davon ausgehen, dass mit der Jahreszahl auch ein Kapitel unseres Lebens zu Ende geht. Wir hoffen instinktiv auf einen Neuanfang und einen totalen Reset, um befreit und mittig weitermachen zu können. Der Rückblick auf 2020 hat es in sich. Viele Menschen in meinem Umfeld behaupten sogar, sie hätten schon längst alle Gefühle für dieses Jahr verbraucht und wären »leer«.

Ich persönlich habe viel gelernt und teile deswegen das Empfinden einer Leere nicht unbedingt. Und aus meinen Gesprächen mit Vorständen, GeschäftsführerInnen und EigentümerInnen kann ich Ihnen verraten, dass nicht alle im verflixten Jahr 2020 im Jammertal der Verzweiflung hängen geblieben sind.

Eine Tatsache ist, dass manche Branchen wie der Handel gar nicht die Zeit hatten, sich gedanklich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen, da sie alle Hände voll zu tun hatten, Aufträge und Abläufe auf Schiene zu bringen und wortwörtlich «das Klopapier in die Regale zu bringen«. Während die einen über Kurzarbeit sprachen, haben andere verzweifelt MitarbeiterInnen gesucht. Manche Unternehmen haben die Zeit genutzt, um auszumisten und sich auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren oder sie zu schärfen. Einige Unternehmen beschlossen, sich völlig neu aufzustellen und produzieren jetzt andere Produkte als vor COVID-19. Eine Menge Unternehmen und Branchen sind aber auch abrupt und vollständig zum Stillstand gekommen.

Spannend war in den Gesprächen, wie die Unternehmen mit dem Change umgehen und was aus den gesammelten Lernerfahrungen wird. Die größte Erkenntnis aus meiner Perspektive: So gut wie überall wurde die eigene Komfortzone verlassen und sind flexibler, agiler geworden. Trotzdem wollen alle wieder Regeln und Vorschriften wie vor der Pandemie. Für mich ist faszinierend, wie wir alles unmittelbar nach derartig umfassenden Veränderungen sofort wieder kontrollieren und festschreiben wollen. Was spricht dagegen, es z.B. beim Thema Home Office einfach jedem Mitarbeitenden selbst zu überlassen, wie er/sie am besten arbeiten kann?

Wir wollen in der Führung Sicherheit und Kontrolle und viele MitarbeiterInnen brauchen das auch. Trotzdem ist die Flexibilität eine neu gewonnene Ressource geworden.

In einer Krise gibt es immer Gewinner & Verlierer. Manchmal hat man keine Wahl, auf welcher Seite man steht – sehr oft aber schon, wenn man sich traut, seine Komfortzone aktiv zu verlassen und mutig neue Wege zu gehen. Genau das traue ich 2021 einigen Unternehmen  & ManagerInnen zu – ganz unter dem Motto »Nix ist fix!«