David Salomon ist CEO der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. Er fährt mit der U-Bahn ins Büro und legt hin und wieder als DJ D-Sol Rockmusik in verschiedenen Clubs auf. Die Einnahmen daraus lässt er karitativen Projekten zukommen. Kurz zusammengefasst: David Salomon ist nicht der CEO aus der obersten Klischee-Schublade. Und er ist es gewohnt, dass sämtliche Medienhäuser ihre Hälse lang machen, sobald er etwas sagt. Seine Worte haben Gewicht und hallen in der Regel auch etwas länger nach.

So auch diesmal. Erst kürzlich hat Salomon nämlich angekündigt, dass Goldman Sachs von 1. Juli 2020 an kein amerikanisches und europäisches Unternehmen mehr als Berater und Aktienplatzierungshelfer an die Börse begleiten würde, wenn es nicht mindestens ein Vorstandsmitglied hat, das Teil einer Gruppierung ist, die in unserer weißen Männerwelt unterrepräsentiert ist. Der Fokus soll zunächst auf Frauen liegen. Ab 2021 möchte Goldman Sachs diesen Kurs sogar noch weiter verschärfen: Künftig möchte man nämlich auch von Börsenaspiranten zwei Frauen im Vorstand verlangen.

2019 war Goldman Sachs mit 55 federführend begleiteten Börsengängen im Volumen von 5,4 Milliarden Dollar in Nord- und Südamerika die Nummer eins unter den Investmentbanken und galt lange, wie für die Finanz- und Investmentbranche immer noch typisch, als klassischer Boys Club. Schon jetzt ist klar, dass sich das seit der Einberufung von David Salomon als CEO ein wenig geändert hat. Zwar sanft, aber doch deutlich spürbar, schlägt das Pendel nun in eine andere Richtung aus. So berief Salomon, der am 1. Oktober 2018 Lloyd Blanken als Vorstandsvorsitzenden abgelöst hat und selbst Vater von zwei Töchtern ist, gleich mehrere Frauen in den Führungszirkel der Investmentbank.

Wie aktuelle Zahlen zeigen, liegt Salomon damit goldrichtig. So kann in einer Studie der Cass Business School nachgelesen werden, dass Banken mit starker Präsenz von weiblichen Führungskräften im Verwaltungsrat, in den Jahren 2007 bis 2018 deutlich geringere Strafen für Fehlverhalten zahlen mussten als andere Banken. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn es um Börsenaspiranten geht. Von den ausgewerteten Börsenneulingen in Amerika haben jene, die mindestens eine Frau im Vorstand haben, seit ihrem jeweiligen Börsendebüt durchschnittliche Kursgewinne von etwa 44 Prozent nach nur einem Jahr erzielt. Solche ohne Frauen im Vorstand lagen hingegen im Durchschnitt nur bei 13 Prozent.