Im vergangenen Jahr wurde immer deutlicher spürbar, dass Diversität in vielen Unternehmen zusehends an Bedeutung gewinnt. Wie sieht es im Banken- und Finanzbereich diesbezüglich aus?

Diversität ist auch in der Finanzbranche längst mehr als ein geflügeltes Wort. Denn Unternehmen erkennen, dass breit aufgestellte Teams mit unterschiedlichen Sichtweisen zu besseren Ergebnissen beitragen können. Daher verfolgt auch die Finanzbranche seit einigen Jahren den Ansatz, Teams vielseitiger aufzustellen und dabei auch dem Anteil von Frauen mehr Gewicht zu verleihen. Dies ist zum einen im Hinblick auf die Chancengleichheit richtig und wichtig. Zum anderen erweitert die Branche durch gelebte Diversität ihren Talent-Pool. So sind zum Beispiel Mitarbeiterinnen nicht nur genauso begabt wie ihre männlichen Kollegen, sondern können darüber hinaus auch ergänzende und damit wertvolle Kompetenzen in Teams einbringen. Beispielsweise zeigen wissenschaftliche Untersuchungen aus der Hirnforschung, dass weibliche Eigenschaften positiv zu den Ergebnissen im Fondsmanagement beitragen können. Dies ist gerade auch in einem Marktumfeld, das tendenziell anspruchsvoller wird, von zunehmender Relevanz.

Hattest Du schon einmal das Gefühl, dass Du dich als Frau in der Finanzwelt stärker bewähren oder beweisen musstest als Deine männlichen Kollegen?

Wer hat das als Frau nicht schon einmal erlebt? Egal in welcher Branche …
Auch ich hatte dieses Gefühl in meiner Karriere immer wieder mal – manchmal weniger oder kaum und manchmal mehr. Aber das muss ja nicht immer etwas Negatives sein, an Herausforderungen wächst man schließlich. Aus meiner Sicht ist es gut, wenn man versucht, das Positive in den Mittelpunkt seines Denkens zu stellen und darauf aufzubauen. Bei mir hat sich sehr bald ein (männlicher) Mentor herauskristallisiert, der mich positiv bestärkt und unterstützt, aber auch immens gefordert hat. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich nur jeder jungen Frau, egal in welcher Branche, raten, sich einen Mentor oder eine Mentorin zu suchen, der oder die einen unterstützt, fördert und fordert und dadurch auch weiterbringt. Und by the way – ich arbeite sehr gerne mit Männern zusammen! Dabei sollte man sich nur immer bewusst sein, dass wir Frauen nicht sein müssen wie Männer, um erfolgreich zu sein!

»Wir glauben nicht, dass ein Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile haben kann, wenn es bei ESG-Faktoren nicht gut abschneidet.«

Nachhaltige Investments oder Impact Investments spielen in der Finanzwelt eine immer größere Rolle. Welchen Stellenwert nimmt das Thema Sustainability bei Columbia Threadneedle ein?

Bei der Beantwortung der Frage, ob ein Unternehmen auch in zehn Jahren noch gute Gewinne erzielen wird, werden Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekte guter Unternehmensführung (auf Englisch »Environmental, Social und Governance«, kurz »ESG«) immer wichtiger. Wir glauben nicht, dass ein Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile haben kann, wenn es bei ESG-Faktoren nicht gut abschneidet. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere umfangreiche Fundamentalanalyse durch ein innovatives, selbst entwickeltes Responsible-Investment-Ratingsystem ergänzt. Dieses ermöglicht eine Gesamtschau darauf, inwieweit Unternehmen zum einen im Rahmen ihrer Financial Stewardship verantwortungsvoll wirtschaften und wie gut sie zum anderen ESG-Risiken managen. Das Analyseinstrument führt beide Aspekte in einem vorausschauenden Rating mit einer Skala von 1 bis 5 zusammen. Damit verdeutlicht es die Überzeugung von Columbia Threadneedle, dass verantwortungsvolles Wirtschaften und ein umsichtiger Umgang mit ESG-Faktoren entscheidende Voraussetzungen für langfristigen, nachhaltigen Unternehmenserfolg sind.

Nachhaltig verantwortungsvolle Geldanlage ist der große Trend in der Investment-Branche.

Werden nachhaltige Investmentfonds verstärkt nachgefragt? Ist hier eine Tendenz erkennbar?

Nachhaltig verantwortungsvolle Geldanlage ist der große Trend in der Investment-Branche. Wir sehen, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentfonds durch die Corona-Krise weiteren Rückenwind erhält. Gleichzeitig weitet sich der Fokus von Umwelt- und Klimaaspekten auf soziale Belange aus. Ein Indikator dafür ist das steigende Emissionsvolumen bei Social Bonds. Das sind Anleihen zur Finanzierung gesellschaftlich positiver Entwicklungen, die im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals, kurz UN SDGs) stehen. Sie werden neben öffentlichen Institutionen auch vermehrt von Unternehmen begeben. Von Anfang Januar bis Ende April 2020 kamen Social Bonds im Gesamtvolumen von 17,5 Milliarden Dollar neu auf den Markt. Das entspricht einem Anstieg um 192 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zu den jüngsten Emittenten gehörten unter anderem die Council of Europe Development Bank und die European Investment Bank (EIB). Columbia Threadneedle hat auch diese Emissionen durch Investitionen über den Threadneedle (Lux) European Social Bond Fund unterstützt.

Nachhaltigkeit spielt sich im besten Fall ja auch auf einer sozialen Ebene ab. Was hat es zum Beispiel mit dem EUROPEAN SOCIAL BOND FUND auf sich?

Der Threadneedle (Lux) European Social Bond Fund ist der erste seiner Art in Europa, der durch die Anlage in europäische Unternehmensanleihen darauf abzielt, sowohl eine finanzielle als auch eine soziale Rendite zu erwirtschaften. Den Rahmen dafür bilden gesellschaftliche Entwicklungschancen, die mit den UN SDGs abgestimmt sind und gesellschaftliche Anliegen wie bezahlbares Wohnen, Gesundheit, Bildung und Beschäftigung abdecken.

Das Anlageuniversum des Threadneedle (Lux) European Social Bond Fund umfasst rund 1.900 Anleihen aus ganz Europa. Davon hält Portfoliomanager Simon Bond aktuell (Stand: Ende April 2020) rund 250 aktiv ausgewählte Papiere im Portfolio. Diese wurden vor allem von öffentlichen staatlichen und supranationalen Einrichtungen begeben und verfügen überwiegend über Investmentgrade-Ratings.

Unabhängiger Berater des Fonds ist INCO, ein führendes globales Konsortium für eine neue und nachhaltige Wirtschaft mit Sitz in Paris. Die Luxemburger Finanz-Kennzeichnungsagentur (LuxFLAG) hat den Threadneedle (Lux) European Social Bond Fund 2018 mit dem ESG-Label ausgezeichnet. Dieses bescheinigt, dass der Fonds ESG-Aspekte während des gesamten Anlageprozesses berücksichtigt.

In welchen Bereichen ist Dir soziale Nachhaltigkeit besonders wichtig? Vielleicht auch dann, wenn es um die Förderung junger Kolleginnen geht?

Die eine richtige Maßnahme zur Förderung gibt es nicht. Stattdessen gilt es, viele verschiedene Stellschrauben zu drehen, um etwas zu bewegen. Dies betrifft zum Beispiel Beurteilungen von MitarbeiterInnen. Diese beruhen bei Columbia Threadneedle auf einem Score-System, das zwei Ebenen umfasst: die erste im Hinblick darauf, ob die KollegInnen ihre persönlichen Ziele erreicht haben, und die zweite in Bezug darauf, wie sie diese erreicht haben. Bei der Frage »wie« fließen unter anderem auch Kultur und Haltung mit ein, denn diese Dimension halten wir gerade auch im Hinblick auf Diversität für wichtig. Daneben haben wir ein Programm zur Identifizierung und Unterstützung von Talenten laufen. Damit identifizieren wir auf der mittleren Ebene Frauen, die sich für eine weitere Karriere eignen. Denn genau auf der mittleren Ebene steigen viele Frauen leider aus.

Welche Rolle spielen Netzwerke in Deinem Leben?

Netzwerken ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines (beruflichen) Lebens. Ich finde es sehr inspirierend, mich mit anderen Menschen – und in Frauennetzwerken besonders auch mit Frauen – auszutauschen. Aus meiner Sicht ist Netzwerken eine Bereicherung für mich, mein Leben und meine Karriere. Nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Ich habe durch verschiedenste Netzwerke nicht nur Freunde gefunden, sondern auch neue Blickwinkel auf verschiedene Themen. Und jedes Mal sind diese Treffen motivierend und stimulierend – denn neue Kontakte bringen einen im Leben und in seiner Persönlichkeit immer weiter! Besonders freue ich mich auch darüber, dass ich bei den Fondsfrauen mitarbeiten darf, die auch von Columbia Threadneedle unterstützt werden. Diese Tätigkeit für Frauen in unserer Branche besonders in Österreich macht mir extrem viel Freude.

»Quotenziele sind wichtige Statements, um mehr Frauen in die Finanzbranche zu bringen. Sie lassen sich jedoch nur umsetzen, wenn sie von kulturellen und Verhaltensänderungen in den Unternehmen begleitet werden.«

Was müsste sich in der Gesellschaft verändern, damit Berufe in der Finanzbranche für Frauen attraktiver werden? Was können wir selbst dazu beitragen, damit sich hier etwas bewegt?

Quotenziele sind wichtige Statements, um mehr Frauen in die Finanzbranche zu bringen. Sie lassen sich jedoch nur umsetzen, wenn sie von kulturellen und Verhaltensänderungen in den Unternehmen begleitet werden. In dieser Hinsicht sind unter anderem Mitarbeitertrainings, entsprechende Bewerbungsprozesse und flexible Arbeitsmodelle entscheidend. Speziell auf Frauen ausgerichtete Networking-Programme wie die Fondsfrauen können zudem das Vorurteil schwächen, es handele sich bei der Branche um ein »Old Boys-Network«. Einen entsprechenden Wandel in den Unternehmen zu vollziehen, ist die Aufgabe der Branche. Zudem sollten speziell Asset Manager ihre zahlreichen Vorzüge als Arbeitgeber noch aktiver kommunizieren, um vermehrt weibliche Talente für sich zu begeistern.