Vermeintliche Telefongespräche mit dem Finanzminister, Verschwörungstheorien und Gerüchte – die Coronakrise ruft eine falsche Meldung nach der anderen auf den Plan. So sei, den Verbreitern von Fake News rund um COVID-19 zufolge, beispielsweise die Lebensmittelversorgung nicht gesichert, totale Ausgangssperren in ganz Österreich bereits geplant oder Menschen anfälliger für den Virus, wenn sie Ibuprofen eingenommen hätten. Der aktuellen Faktenlage zufolge stimmt nichts davon. Gefährlich sind solche Falschmeldungen naturgemäß vor allem deshalb, weil sie in einer ohnehin schon sehr angespannten Situation zusätzliche Panik schüren und verbreiten. Und auch wenn der ein oder andere perfekt gefakte Telefonanruf oder eine scheinbar lückenlos durchargumentierte These, die Trennung zwischen Wahrheit und Fake oft sehr schwierig machen, so gibt es doch einige sinnvolle Hinweise zur Eindämmung von Fake News und Gerüchten.

_01. Quelle prüfen. Wer behauptet etwas? Es sollte unbedingt geklärt werden, ob es sich um eine seriöse Quelle handelt, falls überhaupt eine Quelle angegeben wurde. Bei einem unbekannten Medium kann dieses ganz einfach gegoogelt werden. Wird dieselbe Information auch von anderen Quellen – solchen, die bekannt sind – verbreitet? Geht es um mögliche Ausgangssperren, sollten beispielsweise zuerst die Seiten der Ministerien danach durchsucht werden. Manche Verbreiter von Falschmeldungen ändern ganz bewusst auch die URL von bekannten Plattformen leicht ab. Diese zu überprüfen, kann deshalb auch sinnvoll sein.

_02. Factchecking-Plattformen. Ratsam ist auch, bekannte Factchecking-Plattformen wie Mimikama, Snopes oder Politifact heranzuziehen. Auch auf der Website der WHO wird aufgeklärt. Und nicht nur dort: Mit einem eigenen TikTok-Account versucht die WHO auch auf dieser sehr jungen Plattform, Falschmeldungen mit richtigen Infos zu überlagern. Wichtig: Wenn Sie Fake News als solche identifiziert haben, sollten Sie mit dieser Information nicht hinter dem Haus halten. Auf sozialen Medien können Falschmeldungen außerdem gemeldet werden.

_03. Erstmal durchatmen. Fake News verbreiten sich natürlich besonders gut, wenn sie auf sehr emotionalem Nährboden gezüchtet wurden. Die Journalistin Karolin Schwarz, die unter andrem für die ARD als Fakten-Checkerin arbeitet, empfiehlt deshalb: »Wenn man emotionalisierende Dinge im Sozialen Medien sieht, sollt man erstmal durchatmen, bevor man etwas weiterverbreitet.«

_04. Framing-Effekt beachten. Beeinflussende Formulierungen machen zwar noch keine Fake News, trotzdem können sie gefährliche Folgen haben. Ein Satz wie »50 Prozent der Patienten sterben« wird anders rezipiert als der Satz »50 Patienten überleben«. Durch die Wörter, die verwendet werden, wird ein bestimmter Rahmen festgelegt (Framing), in dem wir dann denken und uns eine Meinung bilden. Es kann sich deshalb lohnen, darauf zu achten, welche Begriffe von einer Autorin oder einem Autor verstärkt eingesetzt werden.

_05. Suche nach Bestätigung. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch ein Ratschlag, den Markus Knauff, Professor für Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung, schon in einem Artikel für Zeit Online erwähnte: »Suchen Sie nicht nach Informationen, die Ihre Auffassungen über das Virus bestätigen.« Sondern lieber nach Informationen und Argumenten, die gegen Ihre eigentliche Überzeugung sprechen, denn das Gehirn neigt dazu, Informationen hochgradig selektiv zu verarbeiten.

_06. Wahrscheinlichkeit ist Verfügbarkeit. Markus Knauff erklärt außerdem, dass Menschen Ergebnisse für wahrscheinlicher halten, je verfügbarer sie in ihrem Gedächtnis sind. Diese Verfügbarkeit wird unbewusst als Ersatz für fehlende Information verwendet. Und genau hier liegt die Gefahr.

Und schlussendlich: Die Wirkung von Fehlinformationen darf nicht unterschätzt werden. Falsche Behauptungen schüren nicht nur Panik, sondern können auch dafür sorgen, dass falsche Erinnerungen erhalten bleiben und Lücken im eigenen Denkmodell entstehen. Deshalb gilt: gemeinsam gegen Fake News! Ganz besonders in dieser heiklen Zeit.