Alexandra Hilgers © Sebastian Freiler

Sie sind Human Resources Director bei Takeda in Österreich und Mitglied des österreichischen Boards. Würden Sie Ihren bisherigen Karriereweg kurz für uns umreißen?

Wenn ich so auf mein bisheriges Arbeitsleben zurückblicke, kann ich eigentlich sagen, dass mein gesamter Karriereweg von Diversität geprägt war. Ich habe Wirtschaft studiert und dabei meinen Fokus auf Personal- und Innovationsmanagement gelegt. Während meiner Studienzeit habe ich lange bei Do & Co im Eventmanagement und in der Organisationsentwicklung gearbeitet und war deshalb sehr viel unterwegs. Dann habe mich dazu entschieden, bei einem japanischen Spezialisten für Automatisierungstechnologien einzusteigen und habe dort ein Projektmanagement geschaffen und eine Personalabteilung eingeführt. Schritt für Schritt habe ich mich danach der Pharmabranche immer weiter angenähert und schließlich begonnen, bei Baxter zu arbeiten. Ich bin direkt in den Personalbereich eingestiegen und hatte dort die Möglichkeit, viele Dinge auszuprobieren und Ideen zu verwirklichen. Bei Takeda in Österreich bin nun Human Resources Director und Mitglied des österreichischen Boards.

Sie haben zu Beginn das Thema Diversität ja schon angesprochen. Warum ist Diversität bei Takeda so wichtig?

Das Schöne ist, dass Diversität bei Takeda zu den Grundfesten gehört und deshalb auch von den Führungsebenen gelebt wird. Mit der entsprechenden Vorbildwirkung natürlich. Das bedeutet, dass auch unser Executive Committee darauf achtet, divers aufgestellt zu sein und dabei vorzeigt, wie tief das Thema in unseren Werten verankert ist. Für mich ist Diversität lebenserfüllend. Sie macht die Arbeit bunter und hilft den MitarbeiterInnen ihre Stärken und Talente zu finden.

Können Sie noch etwas konkretisieren, welche positiven Effekte sich durch divers aufgestellte Teams genau ergeben?

Wenn Menschen die Chance bekommen, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenarbeiten, sind sie um ein Vielfaches innovativer, kommen zu neuen Lösungen und finden Gedankengänge »out of the box«. Wir sehen, dass bei uns regelmäßig Lösungen erarbeitet werden, an die wir am Anfang gar nicht gedacht haben. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu Expertenteams, deren Mitglieder in der Regel alle gleich gestrickt sind und in denen deshalb kaum Spielraum für »ungewöhnliche« Lösungen vorhanden ist. Regelmäßig beobachten wir, dass in diversen Teams sehr schnell eine viel dynamischere Atmosphäre entsteht. Die Menschen haben mehr Spaß, sind glücklicher und durch die große Vielfalt wächst das Vertrauen ins Unternehmen. Und zwar deshalb, weil die MitarbeiterInnen merken, dass jede und jeder eine Chance hat. Man kann sich entwickeln und man selbst sein, Interessen und Stärken ausleben und einbringen. Und am Ende des Tages ist das nicht nur für die MitarbeiterInnen positiv, sondern für das gesamte Unternehmen, weil dadurch die Leistungen besser werden.

Innovation und Diversität sind also sehr eng miteinander verstrickt. Warum ist das so und warum ist das gerade für ein Unternehmen wie Takeda so wichtig?

Wir sind immer damit beschäftigt, neue Therapien und Entwicklungsmöglichkeiten zu finden, um dadurch immer mehr Menschen helfen zu können. Diversität unterstützt diese komplexen Prozesse, weil verschiedene Erfahrungen und Blickwinkel zusammenkommen und dadurch Innovation möglich gemacht wird.

© Sebastian Freiler

Wenn von Diversität die Rede ist, spielen natürlich auch ausgeglichene Geschlechterverhältnisse auf allen Unternehmensebenen eine große Rolle. Welche Maßnahmen werden bei Takeda getroffen, um Frauen voranzubringen?

Wir verfolgen hier unterschiedliche Ansätze. Unter anderem gibt es mit Women@Takeda bei uns eine Business Ressource Group, die sich sehr stark um die Anliegen der Frauen im Unternehmen kümmert. Auf der anderen Seite achten wir auch sehr darauf, dass das Thema von der gesamten Organisation getragen wird. Das bedeutet: Ausgeglichene Verhältnisse zwischen Frauen und Männern auf allen Unternehmensebenen. Dass es bei uns nahezu ein Verhältnis von 50:50 gibt, ist deshalb etwas, worauf wir unglaublich stolz sind. Daran haben wir aber auch hart gearbeitet. Man muss natürlich auch im Hiring-Prozess genau darauf achten, weil es darum geht, ganz bewusst Chancengleichheit herzustellen. Die Begeisterung für diverse Teams und ausgeglichene Geschlechterverhältnisse darf sich aber nicht nur auf die HR-Abteilung beschränken, sondern muss im gesamten Unternehmen spürbar sein, damit es auch von allen im Unternehmen als wichtig erachtet wird und die Vorteile, die daraus entstehen, auch erkannt werden.

Gilt das auch für die Führungsebene?

Frauen in Führungsposition zu bringen, ist auch für uns ein wichtiges Thema. Herausforderungen entstehen leider in erster Linie immer noch deshalb, weil Frauen in unserer Gesellschaft immer noch diejenigen sind, die sich um die Kinderbetreuung kümmern müssen. Hier überlegen wir uns kontinuierlich Möglichkeiten und Chancen, die es Frauen erleichtern sollen, nach ihrer Karenzzeit in Führungspositionen zurückzukommen. Dazu gehört zum Beispiel ein Betriebskindergarten, aber auch flexible Arbeitszeitmodelle und Kinderbetreuung an schulfreien Tagen zähen hier unter anderem dazu.

Ist Führung in Teilzeit auch ein Thema?

Ja, das ist natürlich auch ein Thema. Und es ist auch etwas, das wir uns genauer ansehen, da es sehr gut vorbereitet sein muss. Anders als die meisten Dienstleistungsunternehmen ist man als produzierendes Unternehmen doch mit deutlich mehr Herausforderungen konfrontiert und kann vielleicht etwas weniger flexibel reagieren. Ich denke aber, dass es möglich ist. Wir haben erst unlängst eine Analyse dazu gemacht und sind gerade dabei einen Piloten dazu auszuarbeiten.

© Sebastian Freiler

In welchen Bereichen des Unternehmens würden Sie sich noch mehr Frauen wünschen?

Es sind tatsächlich die klassischen MINT-Fächer, obwohl ich merke, dass es besser wird. Natürlich wäre es schön, noch mehr Frauen für diese Bereiche begeistern zu können. Auch für Führungsrollen.

Wo müsste man Ihrer Meinung nach ansetzen, damit noch mehr Frauen ihren Weg in die Naturwissenschaften finden?

Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, schon ab der Kindheit damit zu beginnen. Kinder sind neugierig und wollen Dinge ausprobieren. Im Kindergarten kann man diese prinzipielle Neugierde noch auf sehr unkomplizierte Weise fördern. Wenn man die Kinder in Schubladen steckt, kann während dieser Zeit sehr viel kaputt gehen. Fördert man jedoch die Neugierde, entstehen schnell sehr viele Möglichkeiten. Innovation beginnt also schon im Kindergarten.

Die Arbeitswelt beginnt sich nach und nach auf sehr grundsätzliche Weise zu verändern. Jüngere Generationen suchen nach Flexibilität. Spüren Sie das auch?

Natürlich merken wir das. Sei es bei den Arbeitszeitmodellen, bei der Kinderbetreuung oder bei den Weiterbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsmodellen. All diese Bereiche versuchen wir im Unternehmen abzudecken und merken, dass das sehr gerne angenommen wird. Wenn es um die Attraktivität der Unternehmen geht, ist aktuell also eine ganz deutliche Verschiebung zu spüren. Das Schöne ist, dass wir gerade bei unseren Arbeitszeitmodellen bereits sehr flexibel aufgestellt sind. Weil wir diese Trendwende schon sehr früh gesehen haben.

Wir haben noch gar nicht so richtig über das Frauennetzwerk bei Takeda gesprochen. Was zeichnet Women@Takeda aus?

Women@Takeda gibt es nicht nur in Österreich. Das Netzwerk ist international aktiv. Durch das Frauennetzwerk möchten wir die Bedürfnisse der Frauen im Unternehmen besser verstehen, um diese dann auch an die Geschäftsführung herantragen zu können. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir zum Beispiel einen Piloten zum Thema Personal Branding im Frauennetzwerk gestartet. Dieser Pilot ist so gut angekommen, dass wir ihn jetzt auf das gesamte Unternehmen ausgeweitet haben. Es ist sehr schön zu beobachten, dass dadurch eine Begeisterung entsteht, die dazu führt, dass die Frauen aktiv Dinge vorantreiben und etwas bewegen möchten. Das hilft uns dabei, uns als Unternehmen zu entwickeln.

Was würden Sie jungen Frauen raten, die in einer männlich dominierten Branche Karriere machen möchten?

Das Wichtigste ist, an sich zu glauben und authentisch zu bleiben. Zu wissen wo man hin möchte und was die Ziele sind. Es geht darum, der eigenen Überzeugung treu zu bleiben. Die schlechtesten Erfahrungen habe ich damit gemacht, wenn jemand versucht hat ein Bild oder die vermeintlichen Erwartungen einer anderen Person zu erfüllen.


INFOBOX:

Takeda Österreich auf einen Blick

Branche: biopharmazeutisches Unternehmen
Schwerpunkte: seltene und komplexe Erkrankungen
Versorgung von PatientInnen in über 100 Ländern weltweit
Größter Pharmaarbeitgeber des Landes
MitarbeiterInnen in Österreich: rund 4.500
Verteilung Frauen-Männer: 50:50