Manchmal hockt man sich in eine große Kartonbox, die auf einem Longboard balanciert, und lässt sich von einem Arbeitskollegen durch das leere (Fenstertag!) Office schieben. Manchmal sitzt man neun Stunden lang an einem Schreibtisch mitten im Großraumbüro und der Mund ist ganz trocken, weil man ihn nur dazu benutzt hat, um sich zwischen 12.00 und 13.00 ein bröseliges Mohnflesserl reinzuschieben. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, welche Situation von einer größeren Produktivitätsblase und einer stabileren Emotionslage umgeben war, fällt die Antwort sehr klar und eindeutig aus: Das Leben ist zwar keine Schachtel Pralinen (danke, Forrest Gump), aber hin und wieder ist es eine Schachtel, in die man sich gesetzt hat um der generellen Absurdität des Lebens irgendwie Ausdruck zu verleihen. Um ihr irgendwie gerecht zu werden.

Kartenhäuser der Absurdität bauen sich nämlich gerne auch im Arbeitsalltag auf. Oder eben gerade dort. Dass sie hin und wieder einstürzen, ist dabei unabdinglich. Stabilität wird dann weniger durch die Office-Runde am Longboard wieder aufgebaut (ob der Schwer- und Fliehkraft handelt es sich dabei in Wahrheit nämlich um eine höchst instabile Angelegenheit), sondern durch jene Person, die sie vorantreibt. Der Arbeitskollege, der diesen artistischen Akt (ich glaube immer noch an den Anruf von Cirque du Soleil) gemeinsam mit mir vollführte, war nämlich viel mehr als ein Arbeitskollege. Gleichzeitig aber auch weniger als ein #officehusband – ein Instagram-Hashtag, der übrigens gerade höchst inflationär dafür benutzt wird, um sehr engen Bindungen zwischen ArbeitskollegInnen Ausdruck zu verleihen. Vielleicht war er einfach ein guter Freund, den ich zufällig an jenem Ort gefunden habe, an dem ich mich nun mal den Großteil des Tages aufgehalten habe – im Büro.

Ich gebe ja zu, dass hier sehr schnell der Eindruck entstehen könnte (ich gebe eindeutig Kartonkiste und Longboard die Schuld), dass damals vor lauter Schabernack nicht ausreichend in die Tasten gehauen wurde, kann das aber schnell wieder entkräften. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: Freundschaften am Arbeitsplatz machen produktiver und kreativer. Bestätigt wurde das unter anderem auch vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup, das genau dieses Thema eingehend untersucht hat und dabei zu folgendem Schluss gekommen ist: »Unsere Forschung hat wiederholt eine konkrete Verbindung zwischen einer guten Freundschaft im Job und der Mühe, die sich Angestellte geben, gezeigt.« Die Gründe dafür haben natürlich nichts mit Longboards zu tun, dafür – laut Gallup – aber damit, dass sich Angestellte ihrem Team dann mehr verbunden fühlen und sich stärker engagieren, wenn sie sich Mitgliedern dieses Teams auch freundschaftlich verbunden fühlen. Automatisch wird der Job dadurch mehr, als nur das pure Erledigen von Aufgaben. Und wer wünscht sich das nicht?

Und der trockene Mund, der nach Tagen voller Sprachlosigkeit, nach und nach zu einer Trockenlegung des kreativen Flusses geführt hat? Der hat nach einiger Zeit dann die Worte der Kündigung ausgesprochen. Trocken, aber klar. Mal sehen, welche tollen Menschen und möglichen FreundInnen nun in mein Leben rollen …