Auch wenn Corona und die damit verbundenen Einschränkungen Bewerbungsprozesse etwas komplizierter machen und möglicherweise verlangsamen, finden auch jetzt Bewerbungsgespräche statt. Tools für Videokonferenzen machen es möglich, dass sich RecruiterIn und Bewerberin oder Bewerber auch während der momentanen Beschränkungen gegenübersitzen und besprechen können. Die Spielregeln eines normalen Bewerbunsggespärchs lassen sich aber nicht hunderprozentig auf das Gespräch von zu Hause aus übertragen. Wir haben Andrea Viehauser, Managing Partner bei Amrop Jenewein, gebeten, uns die wichtigsten Regeln für Bewerbungsgespräche aus dem Home Office zu verraten. Auch die wichtigsten No-Gos zählt sie auf. 

01. Technik

Als BewerberIn sollte man sich möglichst im Voraus die Software herunterladen und testen, die für das Gespräch benötigt wird. Die Interviewerin oder der Interviewer schlägt nämlich vielleicht eine Videokonferenz-Software vor, die einem noch unbekannt ist. 

Außerdem sollte man auch daran denken, möglichst viel an verfügbarer Bandbreite »freizugeben«, indem andere Online-Anwendungen geschlossen werden. Bitte auch vermeiden, während des Interviews Inhalte zu streamen. Dies gilt sowohl für die Bewerberin/den Bewerber als auch für andere Personen, die während des Interviews dieselbe Internetleitung nutzen.

Stellen Sie sicher, dass Ihre Kopfhörer, Ihr Mikrofon und Ihre Videokamera gut funktionieren und verlassen Sie sich idealerweise nicht auf das WLAN anderer, es sei denn, Sie sind absolut sicher, dass es funktioniert.

In Online-Meetings gibt es manchmal störende Verzögerungen oder Rückkopplungsgeräusche. Wenn ein solches Problem Ihr Bewerbungsgespräch stark beeinträchtigt, kann es durchaus besser sein, höflich zu unterbrechen und sich ab- und wieder anzumelden.

Meistens lassen sich solche Probleme jedoch bewältigen, indem man etwas langsamer spricht, mit seinen Aussagen auf den Punkt kommt, Pausen eingelegt werden und jeder bestmöglich auf die vorherrschenden Anrufbedingungen reagiert. Wichtig ist dabei, dass alle Gesprächsparteien klar kommunizieren und sich deutlich verständigen. Nicht gleichzeitig sprechen.

Andrea Viehauser © Amrop Jenewein

_02. Umgebungsbedingungen

Achten Sie darauf, welche Eindrücke der Hintergrund oder die Umgebung bei Ihrer Gesprächspartnerin oder Ihrem Gespächspartner vermitteln könnten. Versuchen Sie, potenzielle Störungen oder Ablenkungen so weit wie möglich zu vermeiden.

_03. Planung des Gesprächs

Welche Botschaften möchten Sie in Ihrem Bewerbungsgespräch vermitteln? Wie beginnen, führen und beenden Sie das Gespräch? Für ein Video-Bewerbungsgespräch müssen Sie vielleicht noch etwas genauer planen weil es bei Video-Interviews meist viel weniger zeitlichen Spielraum gibt. Sie sind normalerweise sorgfältiger geplant und wirklich auf 60 oder 90 Minuten begrenzt. Im Gegensatz zu einem persönlichen Gespräch hat man in einer Videokonferenz oft weniger das Verlangen oder auch die Möglichkeit, Themen ausführlich oder langatmig zu besprechen. Bleiben Sie im Gespräch immer fokussiert und konzentrieren Sie sich auf die relevantesten Punkte.

Denken Sie auch daran, dass ein Bewerbungsgespräch in vielerlei Hinsicht wie ein Verkaufsgespräch ist, bei dem Sie Ihre Erfahrung, Ihre Kompetenzen und Ihre »Präsenz« vermitteln müssen. Der Schwerpunkt Ihrer Präsentation sollte also - insbesondere unter diesen Bedingungen - darauf liegen, welche Erfahrungen und Fähigkeiten Sie sich aufgrund Ihrer bisherigen Arbeit angeeignet haben, und nicht so sehr darauf, welche Aktivitäten Sie auf diesem Weg unternommen haben. Fokussieren Sie sich auf Ihren Mehrwert.

»Es ist in Videogesprächen viel schwieriger, die Körpersprache zu lesen und die visuellen Signale des Gegenübers zu interpretieren.«

_04. Beziehungsebene

Dies ist wesentlich für alle Bewerbungsgespräche, aber natürlich schwieriger per Video. Aufgrund des physischen Abstands und der möglicherweise größeren Reserviertheit im Vergleich zu einem persönlichen Treffen müssen zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um eine Beziehung zum Gesprächspartner aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Ihr Gespräch natürlicher »fließen« kann. Es ist in Videogesprächen viel schwieriger, die Körpersprache zu lesen und die visuellen Signale des Gegenübers zu interpretieren. Versuchen Sie daher, so gut wie möglich »die Stimmung zu deuten« und entsprechend zu reagieren.

Denken Sie auch daran, dass es bei einer Videokonferenz keinen sonst üblichen Gesprächsabschluss gibt. Bereiten Sie sich also darauf vor, das Gespräch mit einem positiven Kommentar, einem Dank und einem Lächeln zu beenden. Vergessen Sie nicht, auch die nächsten Schritte zu klären. Hinterlassen Sie proaktiv einen möglichst starken Eindruck.

_05. Rückfragen

Stellen Sie bei jedem Interview sicher, dass Sie verstanden wurden und Ihren »persönlichen Mehrwert« vermitteln konnten. Bei einem Videogespräch sollten Sie daher regelmäßig kurze Rückfragen an Ihren Gesprächspartner richten: »Habe ich damit Ihre Frage beantwortet?« »Haben wir alles behandelt, worüber Sie heute sprechen wollten?« »Haben Sie noch irgendwelche Fragen, vielleicht über meine Fähigkeiten oder Erfahrungen?« Dadurch zeigen Sie Ihre Professionalität und können Ihren »Mehrwert« für die Organisation gut vermitteln.

 

_06. No-Gos

Gleich neben Ihrem Laptop liegt wahrscheinlich Ihr Smartphone. Bitte werfen Sie keinen kurzen Blick auf die dort ständig eintrudelnden neuen Nachrichten. Schalten Sie das Handy auf lautlos und legen Sie es woanders hin um auch Störsignale zu vermeiden. Außerdem sollte der Laptop oder das Handy für die Videotelefonie an einen fixen Standort stehen. Das Gerät sollte während dem Gespräch nicht wackeln.

Vermeiden Sie, dass im Hintergrund beispielsweise schmutziges Geschirr zu sehen ist oder Personen bzw. Haustiere das Bild queren wie auch zusätzliche Geräuschkulissen. Aber auch die eigene Haltung ist wichtig: Hängen Sie nicht in Ihrem Sessel sondern sitzen Sie aufrecht, und versuchen Sie, den Blickkontakt zu wahren und zu lächeln, auch wenn Ihnen das Meeting vielleicht keinen Spaß macht.

Unterbrechen Sie nicht Ihr Gegenüber; abgesehen davon, dass dies generell unhöflich ist, entsteht bei einer Videokonferenz eine schlechte Tonqualität.

Öffnen Sie keine privaten und zusätzlichen Seiten während dem Vorgang des Screen Sharings. Achten Sie darauf welche Favoriten Sie in Ihrer Favoritenleiste haben. Außerdem: Verwenden Sie nicht den Firmen Laptop Ihres derzeitigen Dienstgebers für Bewerbungsgespräche sondern Ihr privates Gerät.