Leider ist es tatsächlich auch im Jahr 2019 noch so, dass man immer wieder darauf hinweisen muss, dass auch in Österreich deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen sitzen. Es wäre natürlich wünschenswert, gar nicht mehr darüber sprechen zu müssen, allerdings bedeutet, in der momentanen Situation, Schweigen immer auch Zustimmung. Dieses Ungleichgewicht hat natürlich verschiedene Gründe, die Frage nach der Kompetenz kann aber auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Frauen mangelt es nämlich nicht an den dafür notwendigen Fähigkietn. Dass es mittlerweile mehr Hochschulabsolventinnen als -absolventen gibt, ist schließlich schon seit geraumer Zeit  kein Geheimnis mehr. Außerdem: Laut einer Analyse, die von ForscherInnen des Harvard Business Reviews durchgeführt wurde, schätzen MitarbeiterInnen ihre Kolleginnen auch deutlich besser ein als ihre männlichen Kollegen.

Im Zuge der Studie wurden knapp 5.000 Frauen und 4.000 Männer befragt. Dabei wurden sie darum gebeten, einzuschätzen in welcher Ausprägung bestimmte Führungskompetenzen bei ihren KollegInnen vorhanden sind. In 84 Prozent der Kategorien wurden Frauen als kompetenter eingestuft als Männer.

Wirklich spannend wird es aber erst an folgendem Punkt: Die befragten Personen wurden auch darum gebeten, ihre eigenen Führungskompetenzen entlang desselben Schemas einzuschätzen. Hier zeichnete sich ein gänzlich anderes Bild ab, denn die Beurteilungen der Frauen fielen ganz und gar nicht so gut aus. Allerdings war zu beobachten, dass die Frauen mit zunehmendem Alter auch mit größerem Selbstbewusstsein in die Beurteilung gingen.

Den geringen Frauenanteil in den Führungsetagen der Unternehmen begründen die AutorInnen der Studie vor allem damit, dass bei Personalfragen immer noch in Stereotypen gedacht wird und Vorurteile in Bewerbungsprozessen deshalb eine große Rolle spielen. Diese Stereotypen wirken sich mit Sicherheit auch dann negativ aus, wenn es um die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten geht. Solange solch festgefahrene Rollenbilder nicht vermehrt aufgesprengt werden, werden diese Vorurteile auch schwer zu überwinden sein. Glücklicherweise gibt es Studien wie diese, die immer wieder darauf hinweisen und viele Initiativen, Plattformen und Einzelpersonen, die gegen diese Stereotypen ankämpfen.