»Die Vollbremsung war voll«, so Schultz über die Verkündung des Lockdown am 13.03.2020. Es war mitunter »eine der größten Herausforderungen ihrer Karriere« , weil sich die Unternehmerin plötzlich damit konfrontiert sah, Mitarbeitende auf unbestimmte Zeit in Kurzarbeit schicken zu müssen. Doch nicht nur das, sondern auch die absolute Verunmöglichung von jeglicher Planbarkeit, die gerade für UnternehmerInnen eine unentbehrliche Notwendigkeit darstellt, beanspruchte die Unternehmerin.

»Normalerweise habe ich einen Plan, einen Weg, und den gehe ich. Dann gibts Widerstände, manchmal muss man zwei Stufen auf einmal nehmen, manchmal muss man eine zurückgehen, aber man geht ihn. Und in dieser Phase konnte ich das nicht tun, weil ich nichts planen konnte.«

Herausforderungen für Unternehmerinnen

Die Krise hat alle hart getroffen, laut der WKÖ-Vizepräsidentin traf und trifft es Frauen allerdings am härtesten. Doch wie sah es damit wirklich aus? Die Umfrage dazu wurde mit einem Sample von n=530 Unternehmerinnen durchgeführt. Im Bezug auf geteilte Arbeit in Sachen Kinderbetreuung und Haushalt, gaben nur 20 Prozent der Befragten an, sich die Arbeit geteilt zu haben. Gar ein Drittel der Teilnehmerinnen beschrieb sogar den Missstand, dass externe Kinderbetreuung in der Krise überhaupt nicht funktioniert hatte. Neben den mangelnden Möglichkeiten in dieser Zeit solch eine in Anspruch zu nehmen, spricht Schultz noch einen weiteren sensiblen Punkt an:

»Es kann nicht sein, dass Frau im Homeoffice mit Hausarbeit, Homeschooling und anderem sich auch noch schlecht fühlen muss, wenn Kinder in die Betreuung gegeben werden. Der gesellschaftspolitische Stempel der Rabenmutter an dieser Stelle schreit förmlich nach notwendiger Veränderung.«

70 Prozent beschrieben eine ihrer größten Herausforderungen darin, nicht mehr unternehmerisch tätig sein zu können. Damit zusammenhängend beschrieben sieben von zehn Frauen  die psychische Belastung während dieser Zeit als große Last. Unsicherheit und Sorge im Hinblick auf die Wirtschaft waren die stärksten Faktoren.

Auch das Thema Gründung fand in der Umfrage ihren Platz. Erstaunlicherweise gab es trotz der Umstände nur einen minimalen Rückgang von 0,6 Prozent im Anteil der Frauen zum Vorjahr. Würde man die Corona-Zeit herausrechnen, dann hätten wir heuer wahrscheinlich sogar ein Gründungsplus im ersten Quartal erreicht. Es hätte vermutlich wieder zu einem All-Time-High kommen können. Eine gute Nachricht gibt es also: »Die Frau gründet«.

Forderungen 

»Ab Herbst muss die Sicherheit bestehen, dass die Schulen und Kindergärten wieder funktionieren«, so Schultz. Ihr Wunsch geht in Richtung einer bundesweiten einheitlichen Regelung, da diese nicht nur den Familien, sondern auch den Unternehmerinnen zugute kommen würde.

Genauso fordert sie das Umdenken. Diese verkrusteten Rollenbilder müssten weg. Homeoffice sei keine Kinderbetreuungsstätte. Frauen vollbringen dieselbe Arbeit wie sonst auch, nur eben an einem anderen Ort. Sich nebenbei um ein kleines Kind kümmern zu können, sei ein Irrtum, vom Unterrichten gar nicht erst anzufangen.

Auch müsste Kinderbetreuung konstant zur Verfügung stehen, dabei sollten die neun Wochen in den Sommerferien keine Ausnahme sein. Es sei eine notwendige Maßnahme, um Frauen berufstätig halten zu können. Qualitative und facettenreiche Kinderbetreuung zähle nicht nur als Chance für die Frau, sondern auch für ihre Kinder.

»Wir wünschen uns immer, dass mehr junge Mädchen in technische Bereiche gehen. Aber wie sollen sie das denn hinkommen, wenn keine Kontaktpunkte geschaffen werden?«

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