Einen Text mit dem Titel »100 Jahre Beate Uhse« zu beginnen, ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Schnell wird nämlich unklar, wer oder was überhaupt gemeint ist – die Unternehmerin oder das Unternehmen. Wer an Beate Uhse denkt oder den Namen in einem Gespräch erwähnt, hat in der Regel einen bestimmten Shop im Kopf – bei manchen mag sich wohl auch ein oder andere Assoziation aus dem Bereich Schmuddel und Schmutz hineinmischen. An die Gründerin der Erotik-Kette, an die tatsächliche Beate Uhse, denkt allerdings kaum jemand. Dabei gäbe es dafür eine ganze Reihe an Gründen: Beate Uhse war nicht nur eine der erfolgreichsten deutschen Unternehmerinnen der Nachkriegszeit, sie leistete, vor allem in den 50er- und 60er-Jahren, auch einen wichtigen Beitrag für gesellschaftlichen Wandel und einen freieren Umgang mit Sexualität. Immer wieder gegen den härtesten Widerstand von Justiz und Kirche. Insgesamt führte die Justiz rund 400 Strafverfahren gegen »Beate Uhse«. In den meisten Fällen wegen eines Strafparagrafen von 1919 – »Beihilfe zur Unzucht«.

Der Weg zum ersten börsennotierten Erotikunternehmen war für das »Fachgeschäft für Ehehygiene«, so die Untertitelung in der Anfangsphase des Unternehmens, also kein besonders einfacher. Wie man es heute von Unternehmen gut kennt, die eine Krise der Kategorie Shitstorm in einen gewinnbringenden Aufmerksamkeitswirbel zu verwandeln wissen, gelang es damals auch Beate Uhse, die regelmäßigen Attacken auf ihr Unternehmen für sich zu nutzen. Also auch auf diesem Gebiet eine wahre Pionierin. Mit einem wichtigen Unterschied: Im Fall Beate Uhse war der Gewinn, der dabei herausschaute, immer auch ein gesellschaftspolitisch relevanter und die Unternehmerin wurde zu einer frühen Aufklärerin der prüden deutschen Nation. Wie sie in ihrer Autobiographie klar darlegte, ging es ihr vor allem darum, den Menschen zu vermitteln, dass Sex nichts Böses ist. Das sehen heute aber nicht alle so. Autorin Katrin Rönicke, die sich für ein Buchprojekt sehr genau mit dem Leben der Unternehmerin auseinandersetze, enttäuschte vor allem, dass sich das pure Geldverdienen immer stärker ins Leben der Firmengründerin gedrängt hatte. Auch Alice Schwarzer äußerte sich gerne kritisch. Auch wegen ihrer Tätigkeiten während des zweiten Weltkrieges wurde das Leben der Beate Uhse immer wieder in kritischem Licht gesehen. Sie überstellte nicht nur Flugzeuge, sondern war kurz vor Ende des Krieges auch Teil der Luftwaffe. 

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass Beate Uhse nur für zehn Jahre so hieß – von ihrer ersten Heirat 1939 bis zu ihrer zweiten Hochzeit mit Ernst-Walter Rotermund 1949. Der Markenname blieb und wird bestimmt auch noch lange bleiben, auch wenn das Unternehmen mittlerweile zum wiederholten Male vor der Insolvenz steht.

Um abschließend auch noch die Eingangsfrage zu beantworten: Beate Uhse bzw Beate Rotermund wäre am 25. Oktober 2019 hundert Jahre alt geworden. Das Unternehmen wurde 1951 gegründet, 1999 erfolgte der Börsengang.