Wenn uns die Zahlen um die Ohren fliegen, bedeutet das selten Gutes für die Frauen. Meist wird damit plakativ veranschaulicht, dass vieles in der Arbeitswelt noch nicht so läuft, wie es sollte. Der Aufreger der vergangenen Wochen etwa war, dass Frauen im Schnitt sechs Stunden wöchentlich oder circa 100 Minuten täglich mehr leisten würden als Männer. Dies ging aus einer kürzlich präsentierten Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen hervor.

Zwei Dinge sind daran besonders schlimm: Erstens handelt es sich um unbezahlte Arbeit – bedingt durch Kinder, ältere Verwandte oder Haushalt. Und zweitens ist diese Nachricht nichts Neues. Schon der Deutsche Gleichstellungsbericht aus dem Jahr 2017 ergab, dass Frauen anderthalbmal so viel unbezahlte Arbeit leisten würden wie Männer. Den Blick in die tiefere Vergangenheit wollen wir uns lieber sparen. Gewisse Dinge, so scheint es, werden einfach nicht oder nur viel zu langsam besser.

Parallel dazu erfahren wir, dass es die Digitalisierung mit uns Frauen eigentlich doch ganz gut meint – entgegen den Meldungen, die noch vor drei, vier Jahren zu diesem Thema kursierten. Neuesten Studien zufolge komme es nämlich nicht nur drauf an, in den sogenannten MINT-Fächern gut abzuschneiden – das sind jene Bereiche, die für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stehen und in denen Mädchen traditionellerweise gegenüber Burschen das Nachsehen haben. Sondern auf ganz andere Faktoren.

Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie Problemlösungskompetenz würden nämlich in demselben Ausmaß eine erfolgreiche Umsetzung des Wandels begünstigen. Denn im digitalen Zeitalter stehen nicht nur die nreine Technologie und Handwerk im Vordergrund, sondern mindestens genauso stark Kommunikation und die Weitergabe von Wissen – Fähigkeiten, die Frauen jahrzehntelang trainieren und perfektionieren konnten, während sie ihre unbezahlte Mehrarbeit leisteten. Das Problem ist nur: Wahrscheinlich sind sich die meisten Frauen ihrer besonderen Fähigkeiten gar nicht bewusst. Wahrscheinlich sind sie dem Chef (= der Regelfall) noch nicht begegnet, der erkannt hat (= die Ausnahme), dass Mitarbeiterinnen überwiegend über Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie Pro blemlösungskompetenz verfügen. Und selbst wenn wir jetzt von dem positiven Fall ausgehen, dass Punkt 1 und 2 zutreffen, so bleibt immer noch Punkt 3 als Hindernis: Frauen trauen sich, wie zahlreiche Studien bestätigen, die großen Karrieren viel zu wenig zu – selbst in digitalen Zeiten, die ihre zentralen Skills begünstigen.

Das muss nicht so bleiben. Laut einer Umfrage des Anke van Beekhuis Institut für Jugendforschung würden 83 Prozent der jungen befragten Frauen eher eine Führungsrolle anstreben, wenn es mehr Beispiele für Frauen im Top-Management gäbe. Es gibt sie. Immer öfter an der Spitze und oft in der zweiten Führungsebene. Nun ist es höchst an der Zeit, sie sichtbar zu machen. Der schöne Begriff dazu lautet: Women Empowerment. Darin sehen wir von Sheconomy unsere Aufgabe.